Mannesmann-Affäre: Kein Verdacht gegen Generalstaatsanwalt [Update]

In der Affäre um die Abfindungen nach der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone hat der ehemalige Konzernchef Klaus Esser eine Schlappe erlitten.

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  • dpa

In der Mannesmann-Affäre hat der ehemalige Konzernchef Klaus Esser eine Schlappe erlitten. Eine Beschwerde gegen den Düsseldorfer Generalstaatsanwalt Lothar Sent wegen des angeblichen Verrats von Dienstgeheimnissen sei vom Kölner Generalstaatsanwalt abgewiesen worden, teilte ein Sprecher der Ermittlungsbehörde am Dienstag in Köln mit.

"Wir werden uns nicht damit begnügen. Wir prüfen, ob wir ein Klageerzwingungsverfahren beim Oberlandesgericht einleiten, damit nicht Staatsanwälte über Staatsanwälte entscheiden", kündigte Esser-Anwalt Sven Thomas auf dpa-Anfrage an. Im Vergleich zu den Ermittlungen gegen Esser werde "mit zweierlei Maß gemessen".

Die Esser-Verteidigung hatte Sent vorgeworfen, brisante Interna aus den Ermittlungen gegen Esser an den Spiegel verraten zu haben, und Strafanzeige erstattet. Das anschließende Ermittlungsverfahren der Mönchengladbacher Staatsanwaltschaft wegen Geheimnisverrats war eingestellt worden. Dagegen hatte Essers Anwalt Sven Thomas Beschwerde eingelegt.

Die Ermittlungen seien zu Recht eingestellt worden, befand nun die Kölner Generalstaatsanwaltschaft. Sent sei als Behördenleiter befugt gewesen, der Presse Auskünfte zu erteilen. Es seien keine Fakten entdeckt worden, nach denen der Jurist dabei Dienstgeheimnisse verletzt haben könnte.

Esser hat wegen der Ermittlungen gegen seine Person auch das Land Nordrhein-Westfalen auf Schadensersatz und Schmerzensgeld verklagt. Gegen ihn -- Esser -- werde ohne konkreten Verdacht ermittelt, und die Ermittlungen wĂĽrden verschleppt, anstatt sie einzustellen.

Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft ermittelt im Zusammenhang mit der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone gegen den Manager und zehn weitere Beschuldigte wegen des Verdachts der schweren Untreue oder der Beihilfe dazu. Esser soll im Zuge der 188 Milliarden Euro teuren Übernahme vor zweieinhalb Jahren etwa 60 Millionen DM (knapp 30,7 Millionen Euro) erhalten haben. Insgesamt sollen rund 210 Millionen DM (knapp 107,4 Millionen Euro) Prämien und Abfindungen geflossen sein. Die Ermittler bezweifeln, dass dies rechtmäßig geschah. Unter den Beschuldigten sind auch der heutige Vorstandschef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, und der IG Metall-Vorsitzende Klaus Zwickel. (dpa) / (jk)