Bundesregierung: "Deutschland ist zukunftsfähiger denn je"
Das Bundeskabinett hat heute den Fortschrittsbericht Informationsgesellschaft Deutschland verabschiedet. Ziel unter anderem: Eine Internetnutzerquote von 70 Prozent.
Das Bundeskabinett hat heute den Fortschrittsbericht Informationsgesellschaft Deutschland verabschiedet. Ein Jahr nach ihrem Amtsantritt hatte die Bundesregierung 1999 das Aktionsprogramm Innovation und Arbeitsplätze in der Informationsgesellschaft des 21. Jahrhunderts beschlossen -- eine Art interministerieller Masterplan zur Ankurbelung der Wirtschaft mit den Waffen des Cyberspace. "Deutschland ist zukunftsfähiger denn je", zogen Bundeswirtschaftsminister Werner Müller und Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn heute gemeinsam eine erste Zwischenbilanz.
Inzwischen hätten neun von zehn Betrieben in Deutschland Zugang zum Internet, 1999 waren es 67 Prozent; 86 Prozent der Unternehmen nutzten E-Mail (1999: 61 Prozent) und fast zwei Drittel sind mit einer eigenen Website im Internet präsent (1999: 47 Prozent); jede zweite Firma beschaffe Vorprodukte online (1999: 26 Prozent) und jede fünfte vertreibe ihre Produkte auch über diesen Kanal (1999: 14 Prozent), heißt es laut Bilanz.
Das Aktionsprogramm habe "eindrucksvolle Erfolge" hervorgebracht, klopfte sich der Wirtschaftsminister auf die Schulter: So habe sich die Zahl der Internet-Nutzer ĂĽber 14 Jahren von rund 14 Millionen Ende 1998 auf ĂĽber 30 Millionen Ende 2001 mehr als verdoppelt; seit dem Herbst 2001 sind alle Schulen mit einem Internetzugang ausgestattet, die Zahl der Mobilfunknutzer wuchs mittlerweile auf rund 56 Millionen und ĂĽbersteigt seit dem vergangenen Jahr die Zahl der FestnetzanschlĂĽsse. Mit einem Umsatz von rund 20 Milliarden Euro ist Deutschland im E-Commerce auf Platz eins in Europa.
"Wir werden", so Müller, "diesen Qualitätssprung der Informationsgesellschaft zielgerichtet flankieren." Als neue Zielmarken nennt der Fortschrittsbericht, dass die Internetnutzerquote bis 2005 auf 70 Prozent steigen und sich bis dahin breitbandige Internetanschlüsse als dominierende Zugangstechnologie etablieren sollen. "Jetzt kommt es darauf an, dass die Nutzung der neuen Medien in Deutschland weiter zunimmt und sich höherwertige multimediale Anwendungen immer mehr durchsetzen", erklärte Müller. Vor der Presse nannte er insbesondere E-Learning, Telemedizin und die Vernetzung von Haushalten zu Smart Homes. "Mit unserem Programm zur Softwareentwicklung haben wir die Voraussetzungen geschaffen", sekundierte Ministerin Bulmahn, "um bis zum Jahr 2005 eine weltweite Spitzenposition bei der Bildungssoftware zu erreichen, und lösen damit eine weitere Zielzusage von 1999 ein".
Das Aktionsprogramm von 1999 indes stand unter der Überschrift Innovation und Arbeitsplätze. Ausgerechnet heute vermeldete die Bundesanstalt für Arbeit die neuesten Daten aus Nürnberg: Danach ist die Zahl der Arbeitslosen mit 4,3 Millionen wieder genauso hoch wie vor drei Jahren. Und wie das Statistische Bundesamt voraussichtlich in der kommenden Woche bekannt geben wird, ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im vergangenen Jahr gegenüber 1999 um mehr als 20 Prozent auf über 32.000 gestiegen. Die Computer der Informationsgesellschaft, spottete der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger Robert Solow einmal, seien überall zu finden, nur nicht in den Bilanzen. (Richard Sietmann) / (anw)