Duell der 3D-Giganten
Knisternde Atmosphäre in Halle 19: ATI und Nvidia stehen Rücken an Rücken.
Viel Gefühl für brisante Szenarien bewiesen die Messe-Organisatoren mit der Standverteilung in Halle 19. Wer die Halle vom Eingang Nord her betritt, läuft direkt auf die Stände der beiden großen Kontrahenten im Grafikkartengeschäft zu. ATIs und Nvidias CeBIT-Auftritte grenzen Wand an Wand. Und in Sichtweite der Kontrahenten platzierte die Messeleitung einige der wichtigsten Grafik-OEMs. Hercules und Leadtek stehen bereit, ihren Chip-Lieferanten ATI beziehungsweise Nvidia den Rücken zu stärken.
Witzeleien über Abhörgeräte und Bohrlöcher in den Wänden gehören bei ATI zur täglichen Bewältigung der knisternden Atmosphäre. Doch Nvidia zeigte Nerven im Standgefecht -- und beschwerte sich bei ATI über das grellrote Firmenlogo, das über dem Stand der Kanadier prangt. Dieses hatten Nvidias Kunden in voller Größe neben dem Nvidia-Logo vor Augen, wenn sie ihren Blick in gewiss oftmals schwierigen Verhandlungen hilfesuchend gen Himmel richteten. ATI zeigte sich gönnerhaft und drehte das Logo so, dass es nunmehr aus Nvidias Hinterzimmer weniger gut zu lesen ist.
Die Nachsicht dürfte ATI leicht gefallen sein, verspüren die Kanadier auf der CeBIT doch leichtes Oberwasser im Kampf um Aufmerksamkeit in den Medien. Nvidia hat mit der Präsentation des GeForce4 sein Pulver bereits Anfang Februar verschossen und in Hannover außer der Überarbeitung des nForce-Chipsatzes kaum Neuigkeiten zu bieten. Die CeBIT-Pressekonferenz zu den multimedialen Visionen der Amerikaner fand in einem viel zu großen Saal statt, in dem sich eine Handvoll Journalisten mehr verirrt als eingefunden hatten. ATI hatte dagegen zum Launch seiner eigenen Chipsatzfamilie einen viel zu kleinen Raum gewählt, in dem längst nicht alle Interessenten Platz fanden. Auch die Art der Präsentation der Radeon-IGP-Chips dürfte Nvidia wurmen, wurden die Amerikaner doch oft gescholten für ihre Ankündigung von Produkten, die erst Monate später in den Handel kamen. ATI wusste die versammelte Schar der Journalisten gleich mit anwesenden Partnern und offenbar funktionierenden Vorseriensystemen zu überraschen, etwa von Gigabyte.
Den spielebegeisterten Messebesucher muss der Kleinkrieg nicht stören. Kann er sich doch direkt vergleichend in 3D-Abenteuer auf GeForce- und Radeon-Chips stürzen, ohne weite Wege laufen zu müssen -- sofern er eins der an beiden Ständen umlagerten Gamepads in die Finger bekommt. Wobei übrigens die Tatsache, dass es sich um Spiele handelt, ganz im Gegensatz zur Situation bei der Auseinandersetzung zwischen Sony und Microsoft niemanden stört ... (law)