heise-online-Chat: Schutz vor der Dialer-Abzocke
Schafft die Branche, was die Politik verschlafen hat: vor Dialer-Missbrauch zu schĂĽtzen? Diskutieren Sie am Freitag mit einer VerbraucherschĂĽtzerin, zwei Verbandsvertretern und einem c't-Redakteur.
Was als eine Art Micropayment gedacht war, richtet in der Hand von elektronisch organisierten Kriminellen beträchtlichen Schaden an. Inzwischen dürfte wohl kaum ein Internet-Nutzer von wahrscheinlich millionenfach verschickten Spam-E-Mails verschont geblieben sein, die ihn dazu auffordern, ein Update seiner Verbindungssoftware durchzuführen, per Software Sicherheitslücken zu stopfen oder einfach nur auf eine gigantische Zahl von erotischen Bildern zuzugreifen. Nie vergessen die Absender darauf hinzuweisen, dass Software absolut kostenlos sei. Tatsächlich kosten die unter einer Unzahl von aufpoppenden Webbrowser-Fenstern installierten Dialer nichts. Die Kosten fallen über die Telefongebühren an, die diese Schädlinge verursachen.
300 oder gar 900 Euro buchen die Telekommunikationsunternehmen in Einzelfällen nur für den Verbindungsaufbau zu bestimmten 0190er-Nummern ab. Üblicherweise wird jedoch nach Zeit abgerechnet. Es muss nicht bei den aus Funk und Fernsehen bekannten 1,86 Euro pro Minute für den Anruf bei Erotik-Hotlines bleiben. Es können auch schon mal 80 Euro pro Minute sein. Nach oben scheinen kaum Grenzen gesetzt zu sein. So kommen durchaus fünfstellige DM-Beträge auf die Telefonrechnung - wie bei Helga F., deren 16-jähriger Sohn fleißig einen so genannten PremiumRateService nutzte.
Verdient wird dabei in einer regelrechten "Wertschöpfungskette". Die Telekommunikationsunternehmen übernehmen das Inkasso, streichen ihre Provision ein und erklären sich ansonsten für nicht zuständig, da sie die Telefonnummer an ein anderes Unternehmen vermietet haben. Dieser "Vermittler" streicht ebenfalls seine Provision ein und erklärt sich genauso wenig für zuständig, weil er die Nummer ebenfalls nur weitervermietet habe. Der Mieter, der gleichzeitig der Betreiber der überteuerten Telefonanschlüsse ist, sitzt im fernen Ausland oder besteht nur aus einer Briefkastenfirma. Im Gegensatz zum Geld, das beim Geschädigten abgebucht wird und problemlos seinen Weg auf das Konto des Betrügers findet, laufen alle Versuche des Opfers, ihn ausfindig zu machen und juristisch zu belangen, ins Leere.
So kann es nicht weitergehen, meinen viele User und auch einige Politiker wie die Verbraucherministerin Renate KĂĽnast sowie die Mitglieder der CDU/CSU-Fraktion, Dr. Martina Krogmann und Annette Widmann-Mauz. Die Verbraucherzentralen warnen seit langem, doch fĂĽr den Verbraucher hat sich bisher nichts verbessert. Alle Appelle scheinen eher ein Ansporn fĂĽr die "Dialer-Mafia" zu sein, den Surfer mit immer neuen Tricks abzuzocken.
So viel negatives Image könnte jedoch die gesamte Branche schädigen, die 0190er-Nummern als reguläres Zahlungsmittel einsetzt. Von hier kommen erste Initiativen, die auf eine Selbstregulierung setzen – beispielsweise das "Gütesiegel" einiger Hersteller von Dialer-Software oder die "Freiwillige Selbstkontrolle Telefonmehrwertdienste e.V." (FST), die sich die "Regulierung" des Mehrwertdienstmarktes und die Durchsetzung der Verbraucherinteressen" zum Ziel gesetzt hat.
Wie sinnvoll sind solche Aktivitäten? Sollen sie nicht einfach nur gesetzlichen Regelungen zuvorkommen? Wir möchten dieses Thema am Freitag, den 26. 4. 02 von 15 bis 16 Uhr zusammen mit Barbara Steinhöfel von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz und zwei Verbandsvertretern diskutieren: Jan Ginhold, Vorsitzender des in Gründung befindlichen IVNM (Interessen-Verband Neue Medien), der die Interessen der Webmaster und Unternehmen des deutschen "Adultbusiness" vertritt, sowie Hans-Joachim Kruse, dem Vorsitzenden des FST e.V. Aus der c't-Redaktion nimmt Jo Bager teil, der immer wieder über die neuesten Machenschaften der 0190er-Abzocker berichten muss.
Der Chat-Raum wird am Freitag bereits um 14 Uhr geöffnet. Ein Link auf der Homepage von heise online führt dann direkt zur Veranstaltung. Nach dem Ende der Diskussionsrunde veröffentlichen wir auf der Chat-Seite einen Mitschnitt der User- und Podiumsbeiträge. Dort finden Sie schon jetzt eine Liste mit Newsticker-Meldungen und c't-Artikeln, die sich mit dem Thema des Chat befassen. (mw)