Mitarbeiterkritik: Ex-Apple-Angestellte zu "Associates" degradiert
Der Konzern benennt die letzte Position ehemaliger Mitarbeiter nach deren Abgang in öffentlichen Datenbanken um. Das kann bei der Jobsuche Probleme bereiten.
Apple-Boss Tim Cook bei einem Event. Er dĂĽrfte seinen Jobtitel auch nach der Rente nicht verlieren.
(Bild: Apple)
Menschen, die in teils hohen Position bei Apple gearbeitet haben, den iPhone-Konzern dann aber verließen, bekommen einem Bericht der Washington Post zufolge möglicherweise Probleme damit, ihren Lebenslauf bei potenziellen neuen Arbeitgebern zu verifizieren. Vielfach verwendete Job-Datenbanken in den USA, mit denen Unternehmen überprüfen können, ob Angaben im CV stimmen, enthalten bei Ex-Apple-Mitarbeitern demnach fehlerhafte Angaben. Jeder frühere Jobtitel eines Apple-Angestellten werde automatisch zum niedrigen Grad eines "Associate" degradiert.
Jobtitel sind wichtig fĂĽr das Fortkommen
Apple soll diese Politik bereits seit mehreren Jahren verfolgen, gab auf Nachfrage allerdings nicht an, warum dies getan wird. Offenbar sollen so Rückschlüsse auf den internen Aufbau des Konzerns unmöglich gemacht und/oder neue, noch geheime Projekte versteckt bleiben. Apple-intern spielt die Klassifikation eine wichtige Rolle: So verdient ein "Level 4"-Ingenieur signifikant weniger als einer mit "Level 5". Selbst ein Produktmanager oder ein Computerwissenschaftler mit Doktortitel seien zum Einsteigerjob eines "Associate" gemacht worden, schreibt das Blatt weiter.
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So komme es zu Konflikten bei der Bewerbung für neue Positionen, wenn potenzielle Arbeitgeber den Lebenslauf über Verifikationsdienste wie Equifax oder LexisNexis überprüften. Bislang sei das Problem nicht weitläufig bekannt, doch die Washington Post konnte immerhin eine Handvoll von Mitarbeitern finden, die das Problem in der Praxis hatten. Als "Associate" bezeichnet man in den USA auch die Einstiegsposition eines Verkäufers in einem Ladengeschäft oder Neueinsteiger in einem Anwaltsbüro. Wie häufig Ex-Apple-Mitarbeiter bei der Jobsuche tatsächlich Probleme bekommen, ist unbekannt.
#AppleToo: Scharfe Kritik an Apple
Öffentlich gemacht wurde das Problem von Cher Scarlett, einer Softwareingenieurin, die bei Apple die sogenannte #AppleToo-Bewegung gegen Diskriminierung am Arbeitsplatz begründet hatte – in Anlehnung an die Anti-Missbrauchsbwegung #MeToo. Nach ihrem Weggang von Apple wirft Scarlett dem Konzern nun die Umklassifizierung der Jobtitel im Rahmen einer Beschwerde an die US-Börsenaufsicht (Securities and Exchange Commission, SEC) vor. Ein Apple-Sprecher sagte, man sei stets darum bemüht, einen "positiven und inklusiven Arbeitsplatz" zu schaffen. Man nehme "alle Bedenken ernst" und werde jeden davon genau untersuchen. Man könne aus Datenschutzgründen aber keine spezifischen Angelegenheiten von (Ex-)Mitarbeitern kommentieren.
Scarlett hatte sich auch bei der Arbeitsschutzorganisation National Labor Relations Board wegen des Verhaltens ihrer Manager beschwert. In anonymen Gruppen der #AppleToo-Bewegung hatten Mitarbeiter dem iPhone-Konzern zudem "Rassismus, Sexismus, Ungleichheit und Diskriminierung" sowie EinschĂĽchterungsversuche von Vorgesetzten und weiteres problematisches Verhalten vorgeworfen. Apple wies die VorwĂĽrfe zurĂĽck.
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(bsc)