Anklage gegen ehemalige Topware-Vorstände

Die Mannheimer Staatsanwaltschaft verdächtigt drei ehemalige Vorstände des Pleiteunternehmens der Steuerhinterziehung.

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  • dpa

Die Mannheimer Staatsanwaltschaft hat gegen drei ehemalige Vorstände des insolventen Softwareunternehmens Topware AG Anklage wegen Verdachts der Steuerhinterziehung in Millionenhöhe erhoben. Die Manager sollen die Betriebsausgaben der Firma, die Mitte der 90er Jahre mit einem Telefonbuch im CD-ROM-Format hohe Gewinne erzielte, künstlich in die Höhe getrieben haben. Damit hätten sie Gewerbe- und Körperschaftssteuer in Höhe von rund 4,6 Millionen DM (2,34 Millionen Euro) hinterzogen, erklärte die Behörde.

Die Manager sollen unter anderem Geld für Werbung in der Formel 1 bezahlt, einen Teil dieses Geldes "hintenrum" aber zurückerhalten haben. Die Rückzahlungen aus dem Sponsoring der Formel 1 "und weiterer Scheinverträge" seien auf Schweizer Nummernkonten der Angeschuldigten geflossen. Auf diese Weise hätten die Beschuldigten mit viel zu hohen Betriebsausgaben den Gewinn "gedrückt", sagte der Leiter der Abteilung Wirtschaftsstrafsachen, Hubert Jobski. Nach seinen Angaben wird gegen die Formel 1 nicht ermittelt.

Zwei Verdächtigen, von denen einer während der Ermittlungen mehr als ein Jahr in Untersuchungshaft gesessen hatte, wird zudem vorgeworfen, bei ihrer Arbeit für die Vorgängerin der AG -- eine GmbH -- Betriebssteuern in Höhe von umgerechnet 8,7 Millionen Euro nicht gezahlt zu haben.

Topware hatte im Februar 2001 Antrag auf Einleitung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Das Mannheimer Softwareunternehmen war zuvor notorisch in Gerichtsverfahren verwickelt gewesen. So gab die Firma als einen Grund für die Zahlungsunfähigkeit denn auch die Niederlage in den Prozessen mit der Telekom um Telefonbuch-CDs an. Topware hatte in den neunziger Jahren die Telefonbücher der Telekom ohne deren Einwilligung kopiert und als CD-ROM unter dem Label D-Info verkauft. Damit machte das Unternehmen Millionengewinne, handelte sich aber Klagen der Telekom-Tochter DeTeMedien ein. Mittlerweile hat das Unternehmen seine Geschäftstätigkeiten eingestellt. (dpa) / (anw)