Chipmangel: Studie sieht bis 8 Prozent Wachstum der Halbleiterbranche bis 2030

Den größten Zuwachs der Chipfertigung mit jährlich 13 bis 15 Prozent soll mit E-Autos sowie automatisiertem Fahren die Autoindustrie erzeugen, sagt McKinsey.

vorlesen Druckansicht 3 Kommentare lesen
Halbleiterproduktion

(Bild: Macro photo/Shutterstock.com)

Lesezeit: 3 Min.

Nach einer Analyse der Beratungsagentur McKinsey lag der Umsatz der globalen Chip-Industrie 2021 bei 600 Mrd. US-Dollar und könnte bis 2030 jährlich 6 bis 8 Prozent wachsen. Der Hauptanteil der Nachfrage mit einem Zuwachs von jährlich 13 bis 15 Prozent wird aus der Autoindustrie erwartet. 2021 wuchs die Halbleiterbranche mit 20 Prozent, die Untersuchung prognostiziert also eine gewisse Entspannung.

Für das kräftige Wachstum sieht die Studie einen Sondereffekt: "Die Digitalisierung aller Lebensbereiche und aller Unternehmen hat sich durch die Corona-Pandemie noch einmal deutlich beschleunigt" heißt es in der heute veröffentlichten Pressemitteilung von McKinsey. Dazu trügen "Megatrends wie das Arbeiten von zu Hause, das Wachstum künstlicher Intelligenz und die steigende Nachfrage nach Elektroautos" bei.

So kam es in bestimmten Branchen zu Problemen durch Lieferschwierigkeiten, am eklatantesten in der Autoindustrie. Sie konnte wegen des Chipmangels 2021 die Kundennachfrage nicht vollständig befriedigen und eine Entspannung ist noch nicht eingetreten. So sei die Wartezeit für einzelne Chips mit aktuell "teilweise mehr als 20 Wochen so lang wie noch nie."

Videos by heise

Die Studie sieht ein Ende dieser Situation erst nach 2022. Bis dahin soll der Mangel an Chips der Größe zwischen 22 und 65 Nanometern noch anhalten. McKinsey schreibt: "Erst 2023 werden Angebot und Nachfrage wegen dann zusätzlicher Produktionskapazitäten wieder stärker ins Gleichgewicht kommen." Einen ähnlichen Schluss zogen bereits Ende 2021 die Branchenexperten von Goldman Sachs.

70 Prozent des Wachstums bis 2030 sollen die drei dynamischsten Bereiche Autoindustrie, Computing und Speicher sowie Chips für drahtlose Kommunikation tragen. Innerhalb dieser Gruppe sei die Autoindustrie mit jährlich 13 bis 15 Prozent Zuwachs. "Der Markthochlauf der Elektrofahrzeuge mit ihrem größeren Bedarf für Steuerungselektronik sowie das hoch- und vollautomatisierte Fahren sind hier die wesentlichen Gründe", heißt es.

Der Markt für Computing und Datenspeicher folgt mit 4 bis 6 Prozent, "vor allem wegen des Aufbaus zusätzlicher Serverkapazitäten für KI-Anwendungen oder Cloud-Dienste." Den Rest trägt laut McKinsey vor allem das unverändert attraktive Smartphone, insbesondere in Schwellenländern und der Ausbau des 5G-Netzes.

Inzwischen will das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWi) die Produktion von Halbleitern zurück nach Deutschland und Europa holen und dafür 32 Unternehmensprojekte in den kommenden Jahren mit mehr als 10 Milliarden Euro unterstützen. Die Mittel stammen aus dem zweiten "Important Project of Common European Interest" Mikroelektronik und Kommunikationstechnologien der EU. Das Projekt "IPCEI Mikroelektronik II" soll den Ausbau der europäischen Halbleiterfertigung und Chipentwicklung mit bis zu 145 Milliarden Euro bis 2023/2024 subventionieren.

(fpi)