SAP und BearingPoint suchen Wege zu mehr Klimaneutralität

SAP und BearingPoint wollen neue Programme entwickeln, mit denen Firmen die Treibhausemissionen entlang ihrer gesamten Wertschöpfungskette ermitteln können.

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(Bild: Proxima Studio/Shutterstock.com)

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SAP und BearingPoint kooperieren, um „die Wirtschaft dem Ziel der Klimaneutralität näherzubringen“. Beide Unternehmen wollen dazu ihre jeweiligen „Stärken“ in die Waagschale werfen. Im Falle des Walldorfer Softwarekonzerns ist dies die in der SAP Cloud for Sustainable Enterprises gebündelten Tools zur Steuerung von Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft und sozialer Geschäftspraktiken. Die Unternehmensberatung steuert ihre einschlägige Branchenexpertise bei der Berechnung und Reduzierung des CO₂-Fußabdrucks von Produkten und Unternehmen zu. Es sollen hierzu die Treibhausgasemissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette erfasst werden – also alle drei Bereiche nach dem Greenhouse-Gas-Protokoll.

Das GHG-Protokoll unterteilt in der standardisierten Bilanzierung die Treibhausgasemissionen nach „Verursacher“. Scope 1 deckt alle direkten Emissionen ab, die aus Quellen innerhalb der eigenen organisatorischen Grenzen – etwa KFZs mit Verbrennungsmotor – stammen. Scope 2 umfasst die indirekten Emissionen aus Strom, Wärme und Dampf, die eingekauft werden. Scope 3 betrachtet sämtliche weiteren indirekten Emissionen, die ein Unternehmen im Rahmen seiner Liefer- und Wertschöpfungskette – kurz: SCM – Supply Chain Management – bei Lieferanten oder Kunden für Herstellung, Transport, Vermarktung oder Kauf bewirkt.

Die Erfassung von Scope-1- und Scope-2-Emissionen lässt sich vergleichsweise einfach umsetzen. Die Werte besitzen für die Ermittlung der tatsächlich bewirkten Umweltbelastungen durch produzierende Unternehmen allerdings nur eine begrenzte Aussagekraft. Die Erhebung von Scope-3-Emissionen führt hier zu mehr Transparenz. Sie ist aber auch deutlich komplexer, da ein recht umfangreicher Datenaustausch mit diversen Partnern und über unterschiedliche IT-Systeme zu organisieren ist. Zum Teil müssen für das vollständige Belastungsbild fehlende Werte auch geschätzt respektive anteilig veranschlagt werden.

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Dass sich SAP angesprochen sieht, Hilfestellung zu leisten, liegt für einen Lieferanten betriebswirtschaftlicher Unternehmenssoftware auf der Hand. Die Walldorfer werkeln bereits seit einiger Zeit an einem entsprechenden Angebot. So soll das Product Footprint Management, Teil der Cloud for Sustainable Enterprises, Unternehmen unterstützen, Produkt-Fußabdrücke regelmäßig über den gesamten Lebenszyklus zu berechnen. Vereinfacht ausgedrückt werden dazu Informationen wie Stammdaten und Bewegungsinformationen von Materialien aus dem ERP-Paket S/4HANA extrahiert, auf SAPs Plattform-Suite BTP (Business Technology Platform) gespielt und dort mit Emissionsfaktoren verknüpft, die unter anderem Dritte – wie Datenlieferanten – für Lebenszyklusanalysen bereitstellen.

Mithilfe von BearingPoint soll das Product Footprint Management nun inhaltlich schneller Vorlagen zur Berechnung des Fußabdrucks auf Unternehmens- und Produktebene erhalten. Ferner will das Beratungshaus dabei auch eigene Programmbibliotheken einbringen, um gemeinsam eine Lösung umzusetzen, mit der sich die Klimaauswirkungen über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts hinweg messen und verringern lassen.

(fo)