Bill Gates läutet .NET Phase 2 ein
Microsofts Chefsoftwarearchitekt nutzte die Freigabe des Release Candidate 1 des Windows .NET Server als Gelegenheit fĂĽr einen Ausblick.
Es wäre ungewöhnlich gewesen, hätte Microsofts Obervisionär Bill Gates die Freigabe des Release Candidate 1 (RC1) des Windows .NET Server als Gelegenheit für einen Ausblick verstreichen lassen. Und das geht natürlich nicht ohne Klopfen auf die eigene Schulter: "Wir haben nur zwei Jahre von der Ankündigung bis zur Fertigstellung der ersten Generation von Microsoft .NET gebraucht. Es ist sehr erfreulich zu sehen, wie sich die Technologie am Markt bewährt", sagte er vor der Presse.
"Der Konsens innerhalb der Branche über XML-basierte Web Services gibt uns ein sehr breites Fundament, um in viele Bereiche vorzustoßen", so Gates. Er glaubt, dass .NET das Leben und die Arbeit der Menschen verändern wird. Offenbar gibt es für Bill Gates in der Welt des Internet aber bislang noch zu viele Hindernisse. Doch nun heißt es, im Anklang an die Worte des ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan an der Berliner Mauer vor 15 Jahren: "Breaking Down Barriers to a Connected World", und das gleich in fünffacher Ausführung.
.NET soll erstens die Barrieren zwischen Systemen und Organisationen beseitigen, springt Microsoft-Manager Jim Alchin mit Details Gates zur Seite. DafĂĽr sorge XML, auf das der RC1 basiere. Zweitens sollen Vertrauenshindernisse beseitigt werden, und zwar durch das vor kurzem angekĂĽndigte und bereits heftig umstrittene Sicherheitskonzept Palladium. Drittens sollen durch die Kombination verschiedener Kommunikationswege wie Telefon, E-Mail, Instant Messaging und Telekonferenzen Barrieren zwischen den Menschen verschwinden.
Viertens soll der Zugang zu Wissensquellen weit geöffnet werden. Hierfür soll die nächste Version des SQL Server sowie die SQL Server Notifications Services für SQL Server 2000 sorgen, die Menschen ständig auf verschiedenen Kommunikationswegen über wichtige Neuigkeiten auf dem Laufenden halten sollen. Fünftens und letztens will Microsoft den Menschen den alltäglichen Gebrauch ihres Computers erleichtern. Viele Nutzer holten sich Musik aus dem Internet und 35 Prozent der US-Amerikaner speicherten ihre Bilder auf dem PC. Ihnen soll unter anderem der Windows XP Media Center helfend zur Seite stehen.
Bis die Welt nach den Vorstellungen von Bill Gates umfangreich vernetzt und damit barrierefrei sein wird, gibt es aber noch viel für Microsoft zu tun. Der Chefsoftwarearchitekt ist nämlich mit der Leistung seiner Belegschaft bei der Entwicklung der .NET-Technologie anscheinend nicht zufrieden, wie er beim .NET-Briefing bekannte. Trotz zahlreicher Fortschritte sei dieser Bereich noch nicht so weit gediehen wie erwartet. Auch seien zum Beispiel Sicherheitsfunktionen noch nicht ausgereift. Zufrieden ist er allerdings offenbar mit der Entwicklungsumgebung Visual Studio.NET, die vor fünf Monaten vorgestellt worden ist.
Schritt fĂĽr Schritt soll es weiter gehen, im Herbst zum Beispiel mit der achten Version von MSN, die mit neuester Passport- und .NET-Technik ausgerĂĽstet sein soll. Sie wird voraussichtlich im Herbst verfĂĽgbar sein. (anw)