Auch Telecom-Konzern Qwest gibt falsche Bilanzierung zu [Update]
In einem weiteren Fall der Serie von US-Bilanzskandalen hat der Telecom-Konzern Qwest zugegeben, die Umsätze mit den Glasfasernetzen geschönt zu haben.
In einem weiteren Fall der Serie von Bilanzskandalen in den USA hat der Telecom-Konzern Qwest zugegeben, mehr als eine Milliarde US-Dollar an Umsätzen falsch verbucht zu haben. In den Jahren 1999 bis 2001 seien insgesamt 1,16 Milliarden US-Dollar an Erlösen aus der Vermietung des Glasfasernetzes und der IP-Backbones falsch bilanziert worden, teilte das Unternehmen in der Nacht zum Montag mit. Auch die Prognose für das Jahr 2002 von rund 18 Milliarden US-Dollar Umsatz wurde zurückgenommen. Bereits Mitte Juli hatte Qwest davon gesprochen, möglicherweise eine "Neuberechnung" der Bilanzen vornehmen zu wollen.
Die nunmehr als "nicht korrekt" bezeichneten Bilanzen wurden von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen attestiert, die bereits in etliche der anderen US-Bilanzskandale verwickelt ist. Qwest will nun zusammen mit den Wirtschaftsprüfern von KPMG neue Bilanzen vorlegen. Die Untersuchungen der Praktiken seien noch nicht abgeschlossen; man wisse bislang nicht, inwieweit man die bisherigen Bilanzen letztlich korrigieren müsse, hieß es bei Qwest. Es gebe aber keine Anzeichen dafür, dass Betrugsabsichten hinter den Praktiken gestanden hätten, meinte Qwest-Finanzchef Oren Shaffer: "In allen Fällen gab es kein System, dass jemand dazu benutzt haben könnte, um einen Betrug zu begehen", meinte er gegenüber dem Wall Street Journal.
Die Bilanzierungspraktiken des Unternehmens sind allerdings bereits seit einiger Zeit der US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) ein Dorn im Auge; und auch die US-Justiz hat erste Ermittlungen aufgenommen. Denn Qwest soll Kapazitäten im Glasfasernetz an andere Anbieter verkauft und später wieder ein gleiches Volumen zurückgekauft habe, um sinkende Umsätze in diesem Bereich zu kaschieren. Die Korrektur betreffe nun knapp ein Fünftel des Umsatzes im Geschäft mit den Netzen in diesem Zeitraum, teilte Qwest mit. In Europa hatte Qwest versucht, über die Kooperation mit KPN beim inzwischen insolventen IP-Carrier KPNQwest Fuß zu fassen. Qwest schiebt einen Schuldenberg von 26,4 Milliarden US-Dollar vor sich her. (jk)