Optimismus auf der Baustelle
Im äußersten Osten Deutschlands soll Anfang 2004 ein milliardenschweres hochmodernes Chipwerk stehen.
Die Botschaft im Festzelt auf der Baustelle war klar: Kaum etwas kann die Chipfabrik in Frankfurt (Oder) noch aufhalten. Bürokratische Hemmnisse, finanzielle Engpässe, die Krise auf dem Halbleitermarkt -- all diese Hürden wirbeln nach Auffassung der Projektbetreiber allenfalls den Zeitplan durcheinander. Im äußersten Osten Deutschlands soll Anfang 2004 ein milliardenschweres hochmodernes Chipwerk stehen. Am Mittwoch wurde für das High-Tech-Projekt an der Autobahn Berlin-Warschau offiziell der Grundstein gelegt. In den nächsten Tagen sollen sich dort die Kräne weiter drehen, die seit Februar still standen.
Während eine Bläsergruppe auf der Baustelle die Zeremonie für den offiziellen Akt einleitet und Kellner Sektgläser herumreichen, laufen wenige Meter davon entfernt die Geschäfte weiter. Vier Herren im edlen Zwirn verhandeln auf Englisch über Verträge. "Die Investoren aus Dubai und den USA unterstreichen mit ihrem Engagement, dass die neuen Bundesländer in die Weltwirtschaft integriert sind", meint Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn, die als Vertreterin des Bundeskanzlers an die Oder gekommen war.
Das Eigenkapital für die geplante Fabrik stammt vom weltgrößten Halbleiter-Hersteller Intel, aus dem Emirat Dubai und von der Investitionsbank des Landes Brandenburg. Im Juni hatten die Investoren nach zähen Verhandlungen die endgültigen Verträge unterschrieben. Das Eigenkapital von 374 Millionen Euro ist bislang das einzige Geld in der Kasse für das High-Tech-Projekt. Doch der Sprecher des Fabrikbetreibers Communicant und frühere Büroleiter des brandenburgischen Wirtschaftsministers, Dirk Obermann, meint: "Aus meiner Sicht sind wir bei der finanziellen Seite wesentlich weiter als wir jemals waren."
In den nächsten Monaten muss nun das Fremdkapital gesichert werden. Ein Bankenkonsortium soll für diese Mittel sorgen, die mit einer bereits zugesagten Bund-Länder-Bürgschaft gesichert werden. Für alle staatlichen Hilfen -- unter anderem Investitionszulagen des Bundes -- fehlt noch das O.K. von der EU-Wettbewerbskommission. "Ich bin guter Dinge, dass wir im Herbst eine Entscheidung aus Brüssel bekommen", sagt Obermann.
"Dieses Projekt ist schon durch eine ganze Reihe von Härtetests gegangen", meint Brandenburgs Wirtschaftsminister Wolfgang Fürniß, ein politischer Ziehvater des Großvorhabens. Die Flaute auf dem Halbleitermarkt und die Terroranschläge vom 11. September 2001 ließen in den vergangenen Monaten immer wieder Stimmen aufkommen, das Vorhaben an der Oder sei gescheitert. Fürniß aber vergleicht die Investition mit einem 400-Meter-Hürden-Lauf und meint: "Wir sind auf den letzten 100 Metern."
Wenn die Investoren ihr Ziel erreichen, würde nach Berechnungen von Communicant die Arbeitslosigkeit in der Region um Frankfurt (Oder) rund vier Prozentpunkte sinken. Im strukturschwachen Osten Brandenburgs ist derzeit fast jeder Fünfte arbeitslos. Das Chipwerk soll einmal 1500 Stellen bieten; noch einmal so viele könnten nach Schätzungen im Umfeld entstehen. Und Frankfurt würde wieder, was es schon zu DDR-Zeiten war: Hochburg der Mikroelektronik. (Sophia-Caroline Kosel, dpa) / (anw)