Oracle-Chef ruft nach Office für Open Source
Für den großen Durchbruch von Linux braucht es ein populäres Office-Programm, glaubt Larry Ellison.
Larry Ellison, CEO des mit IBM ständig um die Datenbankkrone streitenden Softwarekonzerns Oracle, hat es auf den Marktführer bei Desktop-Betriebssystemen und Office-Paketen abgesehen: Microsoft. Damit der Erzkonkurrent zumindest bedrängt wird, setzt sein Unternehmen unter anderem auf Linux. Dies gelingt zwar jetzt schon, doch für einen durchschlagenden Erfolg bedarf es einer Office-Anwendung, die es mit Microsoft Office aufnehmen kann, glaubt Ellison. Dies sei Sun mit seinem Star Office offensichtlich nicht gelungen, sagte er in seiner Rede auf der derzeitigen LinuxWorld.
Insgesamt ist Ellison aber doch mit Linux zufrieden. Das ehemalige Nischen-Betriebssystem von Hackern, Wissenschaftlern und Studenten habe sich zur Unternehmenslösung gemausert, auch bei Oracle selbst. Das Unternehmen will Linux künftig aggressiv vorantreiben, weil es schneller und kostengünstiger sei, so Ellison. Natürlich rührt der Oracle-Chef nicht ohne Eigensinn die Werbetrommel: Die Marktforscher von Dataquest haben errechnet, dass der Markt für Linux-basierte Datenbanken, auf dem IBM und Oracle zusammen im Jahr 2001 rund 2 Millionen US-Dollar umsetzten, im Jahr 2006 ein Volumen von etwa 200 Millionen US-Dollar erreichen wird.
Ähnliche wie Sun Microsystems befindet sich Oracle nicht nur im Clinch mit Microsoft, sondern auch mit IBM. Um beiden einen harten Konkurrenzkampf zu bieten, will Ellison unter anderem neue Preismodelle erarbeiten lassen, zum Beispiel auf Mietbasis. Für Big Blue hatte Ellison beim Thema Rückgang bei Softwareverkäufen noch einen Seitenhieb parat. Er meinte, wer sich die teuren IBM-Großrechner kaufe, habe eben nur noch wenig Geld für Software übrig. (anw)