Microsoft Verletzung der Kartellrechts-Einigung vorgeworfen

Microsoft habe keineswegs genug Source-Code offen gelegt, um anderen Firmen eine nahtlose Zusammenarbeit ihrer Software mit Windows zu ermöglichen, behauptet eine Vereinigung von Microsoft-Konkurrenten.

vorlesen Druckansicht 156 Kommentare lesen
Lesezeit: 3 Min.
Von
  • JĂĽrgen Kuri

Eine Branchenvereinigung von Microsoft-Konkurrenten hat dem Softwarekonzern vorgeworfen, er verletze die außergerichtliche Einigung, die zwischen Microsoft und dem US-Justizministerium zur Beendigung des jahrelangen Antitrust-Prozesses vereinbart wurde. Nach Ansicht von ProComp (Project to Promote Competition and Innovation in the Digital Age) hat Microsoft keineswegs genug Source-Code offen gelegt, um Konkurrenten eine nahtlose Zusammenarbeit ihrer Software mit Windows zu ermöglichen.

Vor allem die mit den Kommunikationsprotokollen verbundenen Lizenzforderungen Microsofts stoßen auf Kritik bei ProComp: Sie verhinderten, dass Firmen die Effektivität der Protokolle überprüfen würden. Allein die Tatsache, dass man eine Vertraulichkeitsvereinbarung unterzeichnen muss, bevor man sich zur Nutzung des Angebots entschließt, verhindere eine Überprüfung. ProComp verlangt, die Protokolle müssten unter Lizenzbedinungen lizenziert werden, die es für Konkurrenten praktikabel machten, sie zu lizenzieren und weiterzunutzen.

Microsoft hatte die Kommunikationsprotokolle und Middleware-APIs vorab veröffentlicht, um Kritikern an der außergerichtlichen Einigung den Wind aus den Segeln zu nehmen. Die Redmonder weisen die Vorwürfe von ProComp nun natürlich zurück: Die Lizenzbedingungen seien adäquat; immerhin stellten die Protokolle wichtiges geistiges Eigentum von Microsoft dar.

Bislang ist die außergerichtliche Einigung allerdings noch gar nicht offiziell in Kraft gesetzt worden: Ein Teil der ursprünglich ebenfalls als Kläger auftretenden US-Bundesstaaten war damit nicht einverstanden und führt den Prozess fort. Die Kläger fordern eine Verschärfung der Auflagen für Microsoft, unter anderem die Pflicht, ein modulares Windows herauszugeben und eine Lizenz zum Portieren von Office zu vereinbaren. Eine Entscheidung im Verfahren, die ursprünglich Ende des Sommers erwartet wurde, steht nun aller Wahrscheinlichkeit nach in den nächsten Tagen an. So wundert es nicht, dass die Vereinigung von Microsoft-Konkurrenten, zu der unter anderem Sun und Oracle gehören, zu diesem Zeitpunkt mit ihren Vorwürfen an die Öffentlichkeit tritt.

Dieser Beschwerde von ProComp war schon eine andere über den Umgang von Microsoft mit der außergerichtlichen Einigung vorangegangen: Die für Service-Packs für Windows 2000 und XP ergänzten Funktionen reichen nicht, um die Auflagen zu erfüllen. Auch war schon zuvor eine ganz andere Kritik von Entwicklern an den Veröffentlichungen von Microsoft-Code zu hören: Die Dokumentation der Kommunkationsprotokolle sei nutzlos, meinten etwa die Samba-Entwickler; und die veröffentlichten Middleware-APIs zeigten nur, was aus anderen Quellen sowieso schon bekannt war, hieß es aus Programmierkreisen.

Siehe zur Geschichte des Kartell-Prozesses gegen Microsoft und die weiteren Pläne des Konzerns auch den Schwerpunkt Wohin Microsoft steuert in Ausgabe 22/2002 von c't: (jk)

  • Das Microsoft-Monopol -- Vom Aufstieg einer Software-Firma, S. 96
  • Krake Microsoft - Die digitale Welt in den Fangarmen Redmonds, S. 102