Brandenburger Chipfabrik sorgt weiter für Diskussionsstoff
Die Chipfabrik in Frankfurt (Oder) wird kleinere Gebäude erhalten. Manfred Stolpe hofft trotz Irritationen auf einen Erfolg der Investitionen in das Hightech-Werk.
Die Chipfabrik in Frankfurt (Oder) wird nach Angaben ihrer Betreibergesellschaft Communicant kleinere Gebäude erhalten, aber mit gleich hohen Investitionen und gleicher Kapazität errichtet. Die überdimensionierten Gebäude würden verkleinert und die dabei gesparten 200 Millionen Euro in die Technik umgeschichtet, sagte Vorstandsvorsitzender Abbas Ourmazd der Märkischen Oderzeitung. Es bleibe bei der Investitionssumme von 1,3 Milliarden Euro und 1300 Arbeitsplätzen. Mitte November hatte Communicant einen Baustopp verkündet, um den Kostenplan mit dem Ziel zu überarbeiten, kostengünstiger zu bauen.
Derweil betonte der Bundesminister für den Aufbau Ost, Manfred Stolpe (SPD), gegenüber der Zeitung, er hoffe trotz der Irritationen um den Bau der Frankfurter Chipfabrik auf einen Erfolg der zurzeit größten Industrie-Investition in den neuen Bundesländern. "Das Gelingen ist von großer Bedeutung in Ostbrandenburg und weit über die Region hinaus. Damit kann der Osten nachweisen, dass dort Spitzenprodukte erstellbar sind und dass man auch in der Lage ist, diese in industrieller Produktion umzusetzen."
Der frühere brandenburgische Ministerpräsident räumte ein, dass es in der Vergangenheit nicht immer nur die glückliche Hand gegeben habe. "Es war schon ein bisschen beängstigend, wie da vorgegangen worden ist", sagte er. Das Berliner Wirtschafts- und das Forschungsministerium verfolgen laut Stolpe das Projekt konstruktiv- kritisch. Beide Häuser wollten, dass es gelinge und passten deshalb auf, dass keine Fehler gemacht würden.
Das Wirtschaftsministerium habe entscheidend mitgeholfen, dass das Projekt in Brüssel durch sei und das Forschungsministerium sei der wichtigste Partner für die Technologie, sagte Stolpe weiter. "Von Bundesseite haben wir den Rücken frei, und ein Aufbau-Ost-Minister wird sich natürlich intensiv um dieses Schwerpunkt-Projekt kümmern", sagte Stolpe. Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) will sich nunmehr bei seiner ersten Auslandsreise ins Emirat Dubai ein Bild vom Stand der Vorbereitungen für die Chipfabrik in Frankfurt (Oder) verschaffen. Er wolle vor allem die dortigen Partner des Chipfabrik-Betreibers Communicant AG persönlich kennen lernen, teilte das Ministerium laut dpa am heutigen Freitag mit. Bei der am selben Tag beginnenden Reise werde er die Position der Landesregierung bekräftigen, alles für einen Erfolg des Projekts zu tun.
An der Chipfabrik in Frankfurt (Oder) sind Intel, das Emirat Dubai, die Jenoptik AG, das Land Brandenburg sowie das Frankfurter Mikroelektronik-Institut IHP beteiligt. Ende Oktober genehmigte die EU-Kommission nach langem Tauziehen um die Finanzierung die Beihillfen für die Chipfabrik in Höhe von insgesamt 370,96 Millionen Euro. Produziert werden sollen in dem Werk vor allem Chips für die Kommunikationsindustrie im SiGe:C-Verfahren (Silizium-Germanium-Kohlenstoff), das Motorola in Zusammenarbeit mit dem IHP entwickelt hat. (jk)