Münchener IT-Referentin: Kein zurück zu LiMux, aber Open Source stärken

Ein erneuter Betriebssystemwechsel weg von Windows sei den Beschäftigten nicht zuzumuten, meint die frischgewählte Münchner IT-Referentin Laura Dornheim.

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Laura Dornheim (l.) und die ebenfalls neu gewählte Baureferentin Jeanne-Marie Ehbauer.

(Bild: Nagy / Presseamt München)

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Mit 46 von 79 gültigen Stimmen hat die Vollversammlung des Stadtrats München am Mittwoch Laura Sophie Dornheim von den Grünen für sechs Jahre zur neuen IT-Referentin und Chief Digital Officer (CDO) der Verwaltung gewählt. Die Wirtschaftsinformatikerin mit Promotion in Gender Studies soll damit Anfang September den Posten von Thomas Bönig übernehmen, der in das Amt für Digitalisierung, Organisation und IT der Stadt Stuttgart wechselte. Dornheim war zuletzt beim Adblocker-Hersteller Eyeo als Managerin tätig, davor als PR-Chefin.

Ein Zurück zu LiMux werde es mit ihr nicht geben, erklärte Dornheim nach der Wahl gegenüber heise online. Sie bedauere die Entscheidung des Stadtrats unter der einstigen Koalition aus SPD und CSU sehr, sich von dem Open-Source-Desktop zu lösen und zu Microsoft Windows zurückzukehren. Ein dritter Wechsel des Betriebssystems innerhalb einer Dekade wäre den Beschäftigten in der Verwaltung aber nicht zuzumuten. Es gebe jedoch noch Hunderte von Anwenderprogrammen. Dort werde sie sich dafür einsetzen, im Sinne des aktuellen grün-roten Koalitionsvertrags immer Open Source zu nutzen, wo dies möglich und sinnvoll ist.

Den in der bayerischen Landeshauptstadt vereinbarten Grundsatz "Public Money, Public Code" "predige ich seit Jahren", betonte die 38-Jährige. Die Kampagne besagt, dass mit Steuergeld finanzierte Programme für die Verwaltung frei und wiederverwendbar sein sollen. Bei der Anwendung von freier Software in Behörden handelt es sich Dornheim zufolge um ein Henne-Ei-Problem. Laut dem Stadtrat sollte das IT-Referat in diesem Sinne fünf Projekte vorschlagen, die kurzfristig als Open Source realisiert werden könnten. Anfang des Jahres beklagte die Stadträtin Judith Greif von den Grünen aber, dass die Behörde den Kurs nicht engagiert mittrage.

Sie werde hier auf jeden Fall nicht mauern, hob Dornheim hervor. Generell sei die Debatte über Linux und Microsoft in München "sehr aufgeheizt", was sich auch am Streit über die Videokonferenzsoftware Teams an Schulen zeige. Sie wolle hier "pragmatisch rangehen" und den Einzelfall anschauen, nicht die Fronten verhärten.

In ihrer Vorstellungsrede wandte sie sich auch gegen den Blockchain- und Krypto-Hype: "Ich glaube nicht, dass das Web der Zukunft ein Netz aus energiefressenden Algorithmen ist." Ein Anliegen sei es ihr auch, Diversität in der IT-Branche schon im Interesse besserer "Tools und Projekte" zu fördern.

(axk)