Formel 1: Sebastian Vettel tritt zurĂŒck
Der viermalige Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel beendet seine Karriere und tritt 2023 nicht mehr an.
(Bild: Aston Martin)
Spekulationen gab es schon seit geraumer Zeit, nun hat Sebastian Vettel fĂŒr Klarheit gesorgt: Zum Saisonende 2022 macht der viermalige Weltmeister Schluss mit der Formel. Das Ende deutete sich bereits an, und das sportliche Dauertief seines Rennstalls dĂŒrfte nur ein Grund fĂŒr den RĂŒcktritt gewesen sein.
Seine Ziele hĂ€tte sich verschoben, sagt Vettel, "vom Gewinnen von Rennen und Weltmeisterschaften hin dazu, meine Kinder aufwachsen zu sehen, ihnen meine Werte zu vermitteln, ihnen zu helfen, wenn sie stolpern, ihnen zuzuhören, wenn sie mich brauchen, nicht stĂ€ndig "Bis bald!" sagen zu mĂŒssen, und, am allerwichtigsten, von ihnen zu lernen und von ihnen inspiriert zu werden." Er wolle als Vater mehr Zeit mit seinen Kindern verbringen.
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Gleichzeitig stellte Vettel klar, dass seine Liebe zum Motorsport nicht erloschen sei. Dieser sei, seit er denken könne, Mittelpunkt seines Lebens gewesen. Es gebe aber eben auch ein Leben neben der Rennstrecke. "Rennfahrer zu sein war nie meine einzige IdentitĂ€t." Vettel engagiert sich seit einiger Zeit fĂŒr das Thema Umweltschutz. "Wir leben in entscheidenden Zeiten. Wie wir die nĂ€chsten Jahre gestalten, ist entscheidend. Reden ist nicht genug. Es gibt keine Alternative mehr." Vor kurzem fuhr er einen Rennwagen aus dem Jahr 1922 mit E-Fuels.
Steile Karriere
Sportlich konnte Sebastian Vettel an die erfolgreichsten Jahre bei Red Bull nie komplett wieder anknĂŒpfen. In der Formel 1 ist er seit 2007, seine ersten Punkte holte er 2008. Der erste Sieg gelang ihm 2009, im Jahr darauf die erste von insgesamt vier Fahrerweltmeisterschaften in der Königsklasse. 2015 wechselte er zu Ferrari, um wie sein Idol Michael Schumacher weitere Titel zu holen. Das gelang nicht, allerdings war er 2017 und 2018 als Vize-Weltmeister dicht dran.
2020 wurde er von Ferrari unsanft gekĂŒndigt und durch Carlos Sainz ersetzt. Vettel wechselte zu Aston Martin, gröĂere Erfolge blieben dort aus. Zuletzt gelang ihm beim GroĂen Preis von Aserbaidschan 2021 ein zweiter Platz. In der laufenden Saison war ein sechster Platz das beste Resultat.
Siege unerreichbar
ZusĂ€tzlich zu dem Wunsch, mehr Zeit mit der Familie zu verbringen und sich fĂŒr Umweltschutz stĂ€rker als bisher zu engagieren, dĂŒrfte schlussendlich auch die sportliche Talfahrt dazu beigetragen haben, sich von der Formel 1 zu verabschieden. Vettel hatte stets betont, zumindest um Siege mitfahren zu wollen, langfristiges Ziel war immer ein weiterer Titel in der Formel 1. Davon sind er und sein Team derzeit weit entfernt. In der Fahrer-WM liegt Vettel nach zwölf von 22 Rennen mit 15 Punkten auf Platz 14. Schon die PunkterĂ€nge liegen bei einem normalen Rennverlauf auĂerhalb der Reichweite des Autos. Sein Teamkollege Lance Stroll belegt das unfreiwillig: Er liegt in der Meisterschaft derzeit auf Platz 18.
Zu Vettels Entschluss, seine Karriere zu beenden, dĂŒrfte vor allem die fehlende Aussicht auf Siege oder wenigstens den Kampf darum entscheidend beigetragen haben. Nach einem enttĂ€uschenden Jahr 2021 ging es in dieser Saison weiter abwĂ€rts, und nichts deutet darauf hin, dass Aston Martin perspektivisch sportlich reĂŒssiert. Den letzten Sieg fuhr Vettel 2019 in Singapur ein. Mit bislang 53 Siegen ist er hinter Hamilton (103) und Schumacher (91) der erfolgreichste Fahrer in der Geschichte der Formel 1. Die Performance des aktuellen Autos lĂ€sst allerdings vermuten, dass keine weiteren Siege hinzukommen werden.
(mfz)