Neue Beschwerden gegen Microsoft bei der EU
Nokia, AOL Time Warner und andere meinen, das derzeitige Kartellverfahren gegen den Softwarekonzern mĂĽsse ausgeweitet werden.
Nokia, Eastman Kodak, Fujitsu, NTT Communications, Sun, AOL Time Warner, Oracle und andere haben bei der EU-Kommission eine Beschwerde gegen Microsoft eingereicht. Der größte Handy-Hersteller der Welt und die anderen Unternehmen meinen, das Kartellverfahren gegen das Redmonder Unternehmen müsse ausgeweitet werden, da es sich bisher auf frühere Versionen des Betriebssystems Windows beziehe, berichten US-amerikanische Medien. Die Beschwerde, bereits Ende Januar eingereicht, wurde erst jetzt bekannt.
Die EU-Kommission ermittelt gegen Microsoft, weil das Unternehmen gegen das europäische Wettbewerbsrecht verstoßen und andere Betriebssysteme benachteiligt haben soll. Die neue Beschwerde richtet sich gegen Software, die zusammen mit Windows XP ausgeliefert wird, etwa Video- und Musikbearbeitungs- und auch Internet-Programme. Außerdem würden Microsoft-Produkte innerhalb der Windows-Umgebung gegenüber anderen hervorgehoben positioniert, was ebenso gegen EU-Recht verstoßen soll wie mangelnde Kompatibilität von Microsoft-Programmen mit anderen Betriebssystemen. Die Beschwerde will offenbar unter anderem erreichen, dass sich Microsoft in viel versprechenden Wirtschaftszweigen wie der mobilen Kommunikation und bei digitalen Musik- oder Videoangeboten beschränken muss.
Das erste Kartellverfahren der EU gegen Microsoft, ausgelöst durch eine Beschwerde von Sun, wurde im August 2000 eröffnet und ein Jahr später ausgedehnt. Vor kurzem hieß es, die EU-Kommission wolle das Verfahren bis zum Sommer abschließen. Microsoft hat bereits Bereitschaft gezeigt, sich mit der EU auf Basis der Entscheidung im US-amerikanischen Kartellverfahren einigen zu wollen. Falls die neuen Beschwerden angenommen werden, könnte sich das Kartellverfahren noch weiter hinziehen. (anw)