Neue Lieferwege fĂĽr Erdgas: Wie beeinflusst LNG den Gaspreis?

Wenn das Erdgas per Schiff kommt, ist Deutschland freier bei der Wahl der Lieferanten. Doch wird es durch technische Prozesse und Transport nicht auch teurer?

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(Bild: Höegh)

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Europa möchte unabhängiger von russischem Erdgas werden. Doch spontan Ersatz zu finden für das per Pipeline importierte Gas ist nicht so einfach. Der Seeweg per Flüssigerdgas (LNG) ist der einzige Weg, der kurzfristig umsetzbar ist. Der aufwändige Transport und das Herunterkühlen auf -162 Grad Celsius lassen indessen befürchten, dass Erdgas künftig dauerhaft deutlich teurer werden könnte.

Diese Befürchtung ist nicht unbegründet – allerdings sind es zuvorderst andere Gründe, die für teurere Einkaufspreise sorgen.

Für stabil bleibende Energiepreise, wie europäische Konsumenten sie jahrzehntelang kannten, sind langfristige Lieferverträge notwendig. Sie geben Lieferanten und Käufern die nötige Sicherheit. Durch den schnellen Umstieg auf LNG infolge des russischen Angriffskriegs in der Ukraine mussten Einkäufer auf den sogenannten Spotmarkt wechseln. Dort können sie kurzfristig LNG einkaufen – allerdings zum aktuellen Börsenpreis, der angesichts der angespannten Lage und der hohen Nachfrage besonders im Sommer 2022 zum Höhenflug ansetzte. Inzwischen, Anfang Januar 2023, haben sich die Preise wieder auf einem niedrigeren Niveau eingependelt, das dem vor Beginn des Krieges entspricht.

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Exportländer wie Katar fahren ihre Produktion infolge der steigenden Nachfrage hoch. Mittelfristig wird es auch mehr LNG-Tanker geben. Zudem schließen europäische Länder neue langfristige Lieferverträge ab. All dies dürfte zur Entspannung bei den Preisen beitragen.

Was gleichwohl in die Preiskalkulation fĂĽr den Endverbraucher mit hineinwirkt, sind die immensen Investitionen in neue Infrastruktur wie die neuen LNG-Terminals in Deutschland oder neue Pipeline-Verbindungen, um diese an das Gas-Fernnetz anzuschlieĂźen. Auch wenn LNG am Weltmarkt zu passablen Preisen eingekauft werden kann, werden diese Investitionen bei den Haushalten aufgeschlagen.

Die fertiggestellte, aber nie in Betrieb genommene Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2, die von Russland nach Deutschland führt, war aus europäischer Sicht vor allem ein Hoffnungsträger für weiterhin niedrige Gaspreise. Die zusätzlichen Liefermengen, ergänzend zur inzwischen zerstörten Pipeline Nord Stream 1, hätten den Wettbewerb verstärkt und die europäischen Gasverbraucher im Jahr 2020 um 9 bis 24 Milliarden Euro pro Jahr entlasten können, befand das Kölner Forschungsinstitut ewi Energy Research & Scenarios in einer Studie.

Fehlende Alternativen der Europäer dürften es den LNG-Gashändlern vorerst erleichtern, ihre höheren Kosten für die Umwandlungsprozesse und den Transport auf den Preis aufzuschlagen. Eine Perspektive für Europa ist – neben dem allgemein erwarteten Absinken des Gasverbrauchs –, dass Russland sich für sein Gas neue Käufer in Asien suchen könnte. Würde zum Beispiel China seinen Gasbedarf per LNG aus Russland stillen, führte dies zu einer sinkenden Nachfrage nach LNG aus anderen Exportländern.

(mki)