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Was war. Was wird. Darin die letzten Rätsel einer lauen Sommernacht

Ein Team jagt das andere, wohin man fliehen soll vor all der Kompetenz und Internet-Politik-Unseligkeit. Hal Faber zieht sich in ein tiefes Sommerloch zurĂĽck und studiert keine Wahlplakate mehr.

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Von
  • Hal Faber

Natürlich möchte die Wochenschau von Hal Faber wie immer den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich. Aber sie ist traditionell in diesen Sommertagen auch mehr: Ein Sommerrätsel – hier der dritte und letzte Teil –, das die Hirnwindungen vor der Austrocknung bewahren soll im schrumpfenden Sommerloch.

Was war.

*** Das Bezaubernde an einer Wochenschau ist der ausgeruhte Blick für Details. Lehnen wir uns zurück, gelassen die Ereignisse bei einem guten Glas roten Pansch studierend. Dem alles schluckenden Genießer fällt dabei sofort die Büro-Mindestaustattung auf. Sie wird in der ansonsten sommerlich belanglosen Dienstwagenaffäre von Teamsterin Ulla Schmidt (rechts unten) von ihrem Staatssekretär Klaus Theo Schröder angeführt. Ich verlinke hier auf den Stern, weil dort von Zensursulas Zickenkrieg die Rede ist.) So eine Mindestaustattung besteht also aus "(Drucker, Computer, Papier etc.)", also all dem, was eine zünftige Internetausdruckerin unterwegs braucht. Wir lernen daraus über den mitgebrachten Dienstwagen von Ulla Schmidt: "Sie habe immer einen Teil ihres Büros dabei und benötige stets den Zugang zum Computer, weil sich darin geschützte Daten befänden. Ihre Ausrüstung werde also immer hin und her transportiert." Nun haben die Verbrecher der tierra bajas die Karre stehen gelassen, sind aber offenbar mit dem Druckerpapier und den geschützten Daten getürmt. Jedenfalls ist vom Verbleib der Büro-Mindestausstattung nichts bekannt geworden. Hoffentlich waren die Daten nicht nur nach ICD-10 verschlüsselt, sondern mit einer guten Software. Sonst ist der Witz auf Rädern nicht zu Ende erzählt.

*** Software ist natürlich das Stichwort. Im letzten Teil des Sommerrätsel dreht sich alles um Software, was die Raterei etwas kniffliger macht. Dank gut verkaufter Software sind kleine Klitschen große Firmen geworden, dank schlecht geschriebener Software wurde manche Firma in den Ruin getrieben. Kein geringerer als Bill Gates hat sich dieser Tage dazu geäußert, als er sich an das kritische Jahr 1979 erinnerte, als Microsoft zu wachsen begann.
Folgt logisch Frage 1: Mit welcher "ĂĽbernommenen" Software begann der Erfolg von Microsoft?

*** Nun ist die Entwicklung von Software für "Hobbycomputer" etwas ganz anderes als das Programmieren von Großeisen. Besonders in der Anfangszeit wurde jede Bit dreimal umgedreht, auf Casettenbändern und nicht auf Festplatten gespeichert. Mitunter war gar nicht auszumachen, was denn ein Softwareprogramm ausmachte. Ein guter Freund aus alten Zeiten schrieb damals über eine Erfahrung, als er am Apple II eine Wundersoftware ausprobierte: "Ich habe wirklich nicht kapiert, wofür das Programm gut sein soll. Ich mein, es ist doch genausoviel Arbeit, diese 'Formeln' in die Zellen zu hacken und dann alles noch im Überblick zu haben, wie gleich ein vernünftiges Basic-Programm zu schreiben. Das ist doch nicht mehr als eine nette Spielerei, wer braucht das denn außer ein paar B****."
Daraus ergibt sich Frage 2: Um welches Programm aus den FrĂĽhzeiten der Software-Produktion handelt es sich?

Frage 3: Welche der drei Karten passt nicht in die Reihe und, ganz wichtig, warum passt sie nicht?

Frage 3: Welche der drei Karten passt nicht in die Reihe und, ganz wichtig, warum passt sie nicht?

*** Schon auf dem Mainframe, mit dem Beginn der Software-Produktion, gab es den Gegensatz zwischen offener Software, die jeder Kundige erweitern kann, und schwer geheimem Alchimistencode. Die vom kleinen dicken Mönch ins Leben gerufene Bewegung für freie Software ist auf ihre Weise die Wiederbelebung freier, an der Universität gelebter Softwareentwicklung. Das gilt auch für den anstehenden Geburtstag von Unics, das parallel zum Woodstock-Festival und vor der Geburt von Linus Torvalds entstand. Der berühmte Satz vom "Sex, Drugs & Unix", den SCO Vizepäsident Michael Tilson formulierte, dieser aus heutiger Sicht gefühlte Zusammenhang, war lange Zeit unbekannt.
Damit wird es höchste Zeit für das bewährte Visitenkartenrätsel mit historischen Kärtchen. Schließlich ist Unix drauf und dran, als UnXis neue Geschichten zu schreiben. Frage 3: Welche der drei folgenden Karten passt nicht in die Reihe und, ganz wichtig, warum passt sie nicht?

Frage 4: Was zeigt das Bild?

*** Professionelle Software zeichnete sich lange Zeit dadurch aus, dass sie professionell teuer ware. PC-Programme kosteten weit über 1000 DM, obwohl ihre Qualität häufig miserabel war. Oder es gab gute Programme mit einer miserablen Benutzerführung, die den "User" als Hohepriester installierte, der alle Schikanen der Programmiergötter nachvollziehen muss.
Frage 4: Was zeigt das Bild rechts?

Frage 5: Ist etwas falsch an dem Bild?

*** Auf bestimmten Feldern schufen sich Firmen groĂźe Monopole. Bekannt wurde Microsoft mit seinem MS-DOS, doch da gab es durchaus weitere Firmen, die ihre Software so verbreiteten, dass man von "Kontinenten" sprach, um die Marktmacht auszudrĂĽcken, die mit einem einzigen Programm erreicht werden konnte.
Frage 5: Ist etwas falsch an dem Bild links?

Frage 6: Welche Firma und welches ihrer seltsamen Programme wird in dem Bild gesucht?

*** Computerzeitschriften wie die c't und Byte wurden zum treuen Begleiter der Anwender wie der Programmierer und erklärten geduldig die jeweils neuesten Moden und Möglichkeiten der vielen Erfindungen rund um die kleinen Rechner. Die Leser dankten es auf ihre Weise. RTFM, das ist heute schlicht vergessen, war höchstes Lob und stand einmal für "Read The Fine Magazine". Die Tätigkeit eines Computerjournalisten war hoch angesehen, wild umschwärmt von Groupies ließen sie sich von keinem Programm täuschen, keiner Pressestelle austricksen und waren verschwiegen wie ein Grab.
Frage 6: Nein, hier ist nichts zur Täuschung der Leser auf den Kopf gestellt. Welche Firma und welches ihrer seltsamen Programme wird in dem Bild rechts gesucht?

Frage 7: Welche Firma warb mit einem Schimpansen und um welches Betriebssystem handelte es sich?

*** Vorbei, vorbei, alles vorüber und vergessen. Nüchterne Zeiten sind angebrochen, Disziplin zeigen nur noch wenige. Was heute als Journalist firmiert, sind größtenteils Gadgets-Lecker, die nur beschreiben wollen und nicht analysieren können, die keine Hemmungen haben, sich an offenbar gestohlenem Material zu vergreifen und das auch noch Journalismus zu nennen. Der Unterschied zur echten Recherche sollte klar sein, oder? Besonders lustig wird die Sache natürlich, wenn die hauseigene Entwicklung von anderen fröhlich verpfiffen wird und der besagte Journalist laut unautorisiert! twittert.
Das bringt mich zur nächsten Frage. Zur Vorstellung eines neuen Betriebssystems warb eine Firma mit einem Schimpansen (im Bild links zu sehen), obwohl in der Vorgabe eindeutig die Rede davon war, dass herabsetzende Werbung verboten war. Frage 7 lautet daher: Welche Firma war das und um welches Betriebssystem handelte es sich?

*** Damit die Frage nicht zu schwierig ist, folgt das nächste Rätsel auf den Fuß. Bekanntermaßen werden viele Softwareprogramme mit Tieren assoziiert. Da gibt es den Pinguin für Linux, obwohl ursprünglich eine Möve angedacht war – die Füße erinnern daran. Es gibt einen aufgeplusterten Kugelfisch, ein Kamel und sogar eine Art Drachen oder Saurier – bei der Qualität, die die Mozilla-Foundation liefert, weiß man das nicht so genau.
Frage 8: Welche Firma warb mit einem Panther fĂĽr ihr Betriebssytem?

Was wird.

Ein kleines Kunststück in der virtuellen Rechtsprechung hat uns diese Woche die niederländische Justiz geliefert: Nachdem die Einladung zum Prozess per Facebook und Twitter ausgesprochen wurde, dürfte die Verurteilung wohl auf eben diesen Wegen übermittelt werden. Im Prozess spielte es offenbar eine entscheidende Rolle, wie dieses Fax (PDF-Datei) erklärt, dass IP-Nummern auf den Justizservern auftauchten, die eindeutig den schwedischen Verbrechern zugeordnet werden konnten. Dieser ziemlich fragwürdige "Beweis" wird auf dem Hackercamp HAR 2009 ein Thema sein, wo sich Vertreter von BREIN einer Diskussion stellen wollen. Die Nachricht ist rum, das HAR ausverkauft ist, abseits der eBay-Zocker ist eine etwas andere Auktion in Gang. Leider wurde der Anwärter gelöscht, der für jede Art von medizinischem Experiment, Schmerzen inklusive, den Einlass haben wollte. Mit tätowierten IP-Nummern auf der Stirn statt auf den Wäscheklammern wäre er ein Fall für Dot.com, was natürlich der Verein der Deutschen Organisierten Tätowierer e.V. ist.
Was natĂĽrlich Frage 9 ergibt: Welches Tatoo wird hier gesucht?

Wird es noch was mit den äußerst zweifelhaften Websperren? Das eigens für den Wahlkampf konstruierte Gesetz parkt in Brüssel, ein von der Leyenscher Dienstwagen ist weit und breit nicht in Sicht, rechtzeitig den steilen Pass aufs bundesdeutsche Spielfeld zu apportieren. Dort stehen die Mannschaften längst bereit, auf der einen Seite das weiter oben verlinkte Team Steinmeier mit dem Schlachtruf "Murat Kurnaz" auf den Lippen und der Gründung einer Software-Hochschule vor den Augen. Vielleicht findet sich noch ein Lumma oder Lobo, der dem Team verklickert, dass man auch das Fach Informatik fördern kann.

Frage 10: Was war auf dem Bild los? Wer gewann da eigentlich welchen Wahl-Wettbewerb?

Auf der anderen Seite das Team Merkel im schönsten Photoshop-Finish, bereit zur brutalstmöglichen Massengeiselnahme aller Zeiten. Von dem Guttenberg ohne Ende (oder ist jede Personation einer dieser Vornamen?) ist es nur noch ein kleiner Schritt zur Westerwelle, besonders dann, wenn die Farbe des tea AM genannten Schlaftees so ein sattes Gelb ist, fernab aller rotroten Angstkoliken.
War früher alles besser? Wer weiß das schon. Darum fällt Frage 10 etwas anders aus, mit dieser hübschen Website zum Ende der lauen Sommernächte. Der Wahlkampf beginnt: Was war auf dem Bild rechts los? Wer gewann da eigentlich welchen Wahl-Wettbewerb?

(Hal Faber) / (jk)