Klimaneutrales Fliegen bis 2050 möglich, sagt die Luftfahrtindustrie

Die Verbände BDI und BDLI zeigen auf, wie der Luftverkehr bis 2050 klimaneutral werden könnte. Vorab sollte Verkehr auf die Schiene verlagert werden, sagen sie.

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(Bild: Airbus)

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Klimaneutrales Fliegen wird nach Auffassung der Luftfahrtindustrie bis zum Jahr 2050 möglich. Ein "Roadmap klimaneutrales Fliegen" genanntes Dokument sieht vor, schrittweise in einen sauberen Luftverkehr überzugehen.

Der Aufbruch zum klimaneutralen Fliegen biete große Chancen für Deutschland und Europa, zum Vorreiter einer Zukunftsindustrie zu werden. So heißt es in dem gemeinsamen Papier der Verbände der Luftverkehrswirtschaft (BDL) und der Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) mit der Denkfabrik Zentrum Liberale Moderne. Gefragt seien die Produktion klimaneutraler Kraftstoffe im großtechnischen Maßstab ebenso wie Innovationen bei Flugzeugbau und Antriebstechnik.

Das Jahr 2050 haben die 184 Staaten in der UN-Organisation ICAO fĂĽr die zivile Luftfahrt 2022 als das vereinbart, in dem bei FlĂĽgen kein COâ‚‚ mehr ausgestoĂźen werden soll. Das wollen sie mit innovativer Flugzeugtechnik, einem rationalisierten Flugbetrieb und mit nachhaltigem Kerosin (Sustainable Aviation Fuel, SAF) erreichen.

In der Roadmap des BDL und des BDLI ist ebenfalls von rationalisiertem Flugbetrieb die Rede, also davon, dass Umwegflüge vermieden werden sollten. Dies sei vor allem möglich, wenn Flugsicherungsdienste automatisiert und besser koordiniert würden. Klimaoptimierte Flugverläufe können zudem die Bildung von Kondensstreifen reduzieren

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Kurzfristig sollte zudem der Flugverkehr auf die Schiene verlagert werden. Flugzeug-Emissionen sollten kompensiert werden. 2025 könnten erste Kurzstreckenflugzeuge mit Hybridantrieb starten. Ab 2030 würde dem Kerosin SAF beigemischt. Fünf Jahre später könnten die ersten mit Wasserstoff betriebenen Flugzeuge starten. Spätestens Mitte des Jahrhunderts soll schließlich mit grünem Wasserstoff geflogen werden, dafür seien neue Flugzeug- und Turbinendesigns nötig.

Die Autoren Ralf Fücks, Matthias von Randow und Volker Thum fordern die Politik zu wichtigen Regulierungen auf. So müssten Anreize für den Einsatz alternativer Kraftstoffe geschaffen, Preisdumping verhindert und auf einen neutralen Wettbewerb geachtet werden. Im europäischen Luftraum könnten effizientere Strecken deutlich Kerosin einsparen. Dafür müssten die EU-Mitgliedstaaten bereitwillig einen Teil der Kontrolle ihres jeweiligen Luftraums aufgeben.

Fahrplan der Luftfahrtindustrie-Verbände BDL und BDLI.

(Bild: Zentrum liberale Moderne (LibMod))

Die deutschen Fluggesellschaften wĂĽrden durch die derzeit laufende Flottenerneuerung ihren Treibstoffbedarf um 20 bis 25 Prozent senken. Auf diese Weise seien ihre COâ‚‚-Emissionen pro Personenkilometer seit dem Jahr 1990 um 43 Prozent gesunken. Der Treibstoffbedarf ging von 6,3 Litern pro Passagier und 100 Kilometer auf heute durchschnittlich 3,56 Liter zurĂĽck. Diese Effizienzgewinne seien aber weitgehend durch das starke Wachstum des Flugverkehrs seit den 1990er-Jahren aufgezehrt worden.

Deshalb seien weitreichende Innovationen notwendig, um das Fliegen möglichst vollständig klimaneutral zu machen. Zuvor entwickelten die Triebwerkshersteller derzeit die nächste Generation von Antrieben, die ab 2030 weitere Einsparungen im Bereich von 25 Prozent ermöglichen und 50 Prozent weniger Lärm verursachen sollen.

(anw)