IFA

Bieterwettbewerb beim Projektorkontrast

Die Hersteller ĂĽberschlagen sich mit wahnwitzigen Kontrastangaben - in der Praxis bedeuten die oft sechsstelligen Zahlen allerdings wenig.

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Etliche neue Projektoren sind auf der IFA zu sehen (siehe Bilderstrecke unten) – doch echte Innovationen sind rar gesät. Viele Geräte bieten als einzigen Unterschied zum Vorgängermodell lediglich einen verbesserten Kontrast. Die Hersteller liefern sich hier ein verbittertes Rennen um den höchsten Wert.

Den Vogel schießt in dieser Hinsicht Epson (Halle 21) ab: Im Datenblatt des EH-TW5500, dem neuen Full-HD-Heimkino-Flaggschiffs des Herstellers, ist von einem Kontrastverhältnis von sage und schreibe 200.000:1 die Rede. Solche Werte kommen nur mit Hilfe von technischen Tricks wie automatischen Iris-Blenden zustande. Diese lassen je nach Bildinhalt mehr oder weniger Licht durch: Wenn beispielsweise ein Schwarzbild projiziert wird, schließt sich die Blende, verringert so den Schwarzwert und steigert den Kontrast – letzteres allerdings nur zwischen zwei Bildern und nicht innerhalb eines Bildes. In der Praxis bei Realbildern wirkt sich die Iris zudem bei weitem nicht so stark aus wie bei reinen Schwarz- und Weiß(test)bildern. Daher sind die wahnwitzigen Kontrastangaben mit Vorsicht zu genießen.

Kontrast bei Projektoren: Wer hat am meisten? (11 Bilder)

Projektor-Potpourri

Das neue Heimkino-Flaggschiff von Epson: Der TW5500 schafft laut Datenblatt einen Kontrast von 200.000:1. Auch wenn solche Angaben nur theoretischen Wert haben: Das Bild sieht prima aus. VerfĂĽgbar ist er ab November fĂĽr 3300 Euro. (Bild: Epson)

So sieht man mit bloßem Auge, dass die neuen Full-HD-High-End-Projektoren von Sony und JVC (VPL-VW85 und DLA-HD950) bei praxisnaher Anwendung – also bei Filmen – einen besseren Schwarzwert bieten als das angebliche 200.000:1-Wunder von Epson. Dabei gibt Sony 120.000:1 und JVC (Halle 5.2) sogar "nur" 50.000:1 an. Sony (Halle 4.2) nutzt wie Epson eine automatische Iris-Blende, JVC dagegen nicht. Daher ist der DLA-HD950 einer der wenigen Projektoren, bei dem man die Kontrastangabe zumindest ansatzweise für bare Münze nehmen kann. Die riesigen Kontrastwerte der anderen Hersteller sind im Prinzip nur dafür brauchbar, um die einzelnen Produkte im Portfolio des jeweiligen miteinander zu vergleichen.

Die Top-Geräte von Sony und JVC arbeiten mit LCoS (Liquid Crystal on Silicon), eine Technik, die sehr gute Kontrastwerte ohne Hilfsmittel erreicht. Allerdings sind die beiden Full-HD-LCoS-Beamer auch nicht ganz billig: JVC verlangt für den HD950 heftige 7000 Euro, und auch für den VW85 von Sony werden 6500 Euro fällig. Außerdem eignen sich beide Geräte nur für stockdunkle Heimkinoräume, für weißgestrichene und nicht komplett abgedunkelte Wohnzimmer reicht ihr Lichtstrom nicht aus – wer sich einen solch teuren Beamer kauft, hat in der Regel aber ohnehin einen speziellen Heimkinoraum. Doch auch der neue LCoS-Einstiegsprojektor von Sony, der VPL-HW15, ist mit spezifizierten 1000 Lumen fürs Wohnzimmer nicht hell genug. Dabei liegt er mit 2800 Euro schon fast in preislichen Gefilden, die auch Heimkino-Freaks ohne Kinoraum im Keller auszugeben bereit sind.

Epson ist da mit seinen LCD-Beamern flexibler: Das mattschwarz lackierte Top-Modell TW5500 ist für echte Heimkino-Räume ausgelegt, der weiße TW4400 fürs hellere Wohnzimmer. Der 5500er unterstützt im Unterschied zum 4400er Anamorph-Linsen und hat ein ISF-Kalibrierungsmenü – Features also, die nur für echte Enthusiasten wichtig sind. Dafür kostet der TW4400 auch nur 2800 Euro statt wie der große Bruder 3300 Euro. Leider kommt auch nur bei dem teureren Modell ein hochwertiger Bildprozessor (Reon VX HQV) zum Einsatz. Zudem unterstützt der TW5500 eine aufwendige Nachschärfungs-Technik (Super Resolution), die auch bei Full-HD-Material sichtbare Ergebnisse bringt.

Auch Mitsubishi (Halle 7.2) setzt bei seinem neuen Modell HC6800 auf die LCD-Technik. Preislich ist der Projektor etwas unterhalb des schon älteren HC7000 angesiedelt, der weiterhin Top-Modell bleibt. Während der 7000er für 3000 Euro über den Tresen geht, soll der HC6800 2500 Euro kosten. Neu im Portfolio ist das Einstiegsmodell HC3800, das für 1400 Euro verkauft wird. Während Mitsubishi im Heimkino-Bereich in den letzten Jahren ausschließlich auf LCD gesetzt hat, kommt beim HC3800 erstmals wieder die DLP-Spiegeltechnik zum Einsatz. (jkj)