Messegesellschaft gibt sich kämpferisch

Der CeBIT-Veranstalter hofft auf positive Signale von der weltgrößten Computermesse; der IT-Verband Bitkom erwartet für 2003 aber keine wirtschaftliche Erholung der Branche.

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Von
  • Torge Löding

"Der Megatrend der CeBIT ist, dass wieder gekämpft werden darf." Mit markigen Worten versucht Ernst Raue, Vorstand der Deutschen Messe AG, negative Schlagzeilen über die CeBIT 2003 abzuwenden. "Ich sehe die negativen Schlagzeilen schon: 'CeBIT mit Ausstellerrückgang'", orakelte Raue auf einer Pressekonferenz in Hannover. Das sei aber nicht fair, schließlich schlage sich die deutsche Leitmesse der Branche wacker und werde dieses Jahr so international sein wie noch nie zuvor.

Dennoch: Auf der diesjährigen CeBIT werden weniger Aussteller ihre Produkte präsentieren, als noch im Jahr zuvor. Auch nach einer nachträglichen Reduzierung der Ausstellerzahl waren es nach Veranstalterangaben im Jahr 2002 deutlich mehr als 7000, dieses Jahr werden es nicht mehr als 6525.

Schuld an dem Schwund von rund 750 Firmen -- schwerpunktmäßig kleine und mittelständische Unternehmen -- vom Messegelände ist nach Ansicht von Raue die Pleitewelle, der gerade viele kleinere Gesellschaften zum Opfer gefallen sind. "Die Aussteller werden sehr motiviert sein, da es in diesem Jahr mehr wert ist als je zuvor, hier präsent zu sein", warb Raue für das Messe-Event in Hannover. Zudem versprach er spannende Produktneuheiten -- wie etwa Computertechnik, die Telefongespräche, bei denen die Teilnehmer in unterschiedlichen Sprachen sprechen, simultan übersetzt. Weitere Trendthemen seien Geräte für digitale Heimunterhaltung, internetfähige Fernseher und Autoradios sowie Homesecurity. "Mobilität ist groß im Kommen", fügte Raue hinzu.

Der Branchenverband Bitkom erwartet unterdessen nicht, dass sich der deutsche IT-Markt erholen werde. Bitkom-Vertreter Menno Harms sagte auf der CeBIT-Pressekonferenz, Deutschland habe 2002 als einziges europäisches Land im Minus gelegen, für 2003 rechne er mit einer schwarzen Null. Detaillierte Zahlen für Deutschland will der Verband aber erst in der kommenden Woche präsentieren.

Europaweit zeige die Umsatzentwicklung in der Branche für IT und Telekommunikation nach oben, versprach Harms. In diesem Jahr werde der Umsatz um 2,5 Prozent auf 607 Milliarden Euro wachsen, im kommenden Jahr dann noch einmal um vier Prozent auf 632 Milliarden Euro. Da der US-Markt schwächelt, orientieren sich die Anbieter stärker noch als bisher auf die verbliebenen Wachstumsregionen, so die Hoffnung des Verbandsvertreters.

Die Anbieter von Dienstleistungen zeigten sich vergleichsweise krisenfest. In Westeuropa wachsen insbesondere die Telekommunikationsdienste stabil um durchschnittlich vier bis fünf Prozent im Jahr. Die Anbieter von IT-Services mussten ihre Wachstumserwartungen im vergangenen Jahr zwar zurückschrauben, lagen mit 1,2 Prozent aber immerhin im Plus. Für 2003 erwartet BITKOM in diesem Segment einen Zuwachs um 2,8 Prozent und für 2004 um 4,7 Prozent. Die Umsätze mit Software stagnierten 2002. Für das laufende Jahr 2003 dürfen auch die Softwarehäuser wieder mit einer um 2,4 Prozent steigenden Nachfrage rechnen.

"Die Branche darf in Deutschland nicht mit weiteren Abgaben belastet werden", mahnte Harms und erteilte Urheber-Abgaben auf Drucker und PCs, der Umsetzung der Altgeräterichtlinie sowie den neuen Sicherheitsauflagen bei der Telekommunikation eine Absage. (tol)