Keine Renditeziele für Business-Software bei Microsoft
Beim Aufbau der Sparte für Business-Software will Microsoft der Konkurrenz die Kunden abgraben.
Im Wettbewerb mit Deutschlands größtem Softwareunternehmen SAP verfolgt Microsoft keine kurzfristigen Renditeziele. Das sagte Jeff Raikes, Vizepräsident von Microsoft, am Mittwochabend in München. "Meine Priorität Nummer eins bei Microsoft Business Solutions ist zurzeit, in die nächste Generation der Unternehmensprogramme zu investieren." Raikes verantwortet im weltweit führenden Softwarekonzern den Bereich Produktivitätssoftware und Business Services.
Microsoft hatte im Juli 2002 das dänische Softwarehaus Navision für knapp 1,5 Milliarden Euro übernommen, um seine Position im Markt der Unternehmenssoftware auszubauen. Dieses Segment der Softwareindustrie wird bislang von Firmen wie SAP, Peoplesoft, Siebel oder kleineren Anbietern wie Sage dominiert. Microsoft müsse sich neben der Neuentwicklung vor allem um die Kunden kümmern, die man in diesem Segment bereits habe, sagte Raikes. Daher verfolge er das Ziel einer kurzfristigen Profitabilität mit weniger Nachdruck. "Und glücklicherweise arbeite ich für ein Unternehmen, wo wir uns das leisten können."
Bei den Programmen für den Informationsarbeiter setzt Raikes große Hoffnungen auf das neue Office-System 2003, das im Sommer auf den Markt kommen soll. Das Programm biete Unternehmen beispielsweise die Möglichkeit, auf der Basis der Datenaustauschsprache XML digitale Arbeitsabläufe aufzusetzen, die bislang kompliziert und teuer mit Papier-Formularen abgewickelt werden. Nach Angaben von Raikes wird Office weltweit von 400 Millionen Menschen genutzt. Allerdings seien rund die Hälfte der Programme Raubkopien. Freie Software-Projekte wie Open Office seien nur dort eine Konkurrenz, wo sich Anwender mit der Funktionalität von Microsofts Office aus dem Jahr 1997 zufrieden gäben. (dpa)/ (tol)