Xerox will optische Netze zur Allerwelts-Technik machen
Xerox-Forscher entwickelten eine Single-Chip-Lösung für Photonik-Switches, die optische Netze weit erschwinglicher als bislang machen sollen.
Einen Durchbruch bei rein optischen Netzwerken wollen Forscher von Xerox erreicht haben: Sie haben einen optischen Switch, der als MEMS (Micro Electro-Mechanical System) ausgeführt ist, zusammen mit Lichtschaltkreisen auf einem einzigen Chip integriert. Im Unterschied zu bisherigen photonischen Switches nutzt die Xerox-Technik keine Mikro-Spiegel, sondern setzt auf so genannte Waveguides, winzige Lichtwellenleiter, die über eine Art Weiche geschaltet werden. So lässt sich der über das Licht transportierte Datenstrom entsprechend schnell weiterleiten. Xerox ist von der Neuentwicklung so überzeugt, dass die Firma gleich von einer "neuen Ära bislang nicht vorstellbarer Internet-Anwendungen" schwärmt; die neue Technik könne die Vorteile von optischen Netzen nun endlich auch für kleine Unternehmen und Heimanwender verfügbar machen.
Die Neuentwicklung enthält laut Xerox alle Funktionen eines rekonfigurierbaren optischen Add/Drop-Multiplexers (R-OADM), die auch bislang schon für das Weiterleiten und Schalten von Verbindungen in optischen Netzen genutzt wurden. Ein R-OADM lasse sich mit der neuen Technik auf einer Fläche von 2 ×1,5 cm2 realisieren. Xerox erklärte, die Technik stehe ab sofort zur Lizenzierung bereit und werde optische Cross-Connects beziehungsweise Add/Drop-Multiplexer ermöglichen, die weit billiger als bisherige Lösungen seien.
Die Ankündigung von Xerox ist eine der wenigen, die Neuentwicklungen bei optischen Netzwerken und hier vor allem im Bereich der optischen Switches vorstellen. Zuletzt verabschiedete sich Angesichts der Krise der IP-Carrier und der Überkapazitäten in den Backbones der Netzwerkausrüster JDS Uniphase von den einst als Schüsseltechnologie der Photonik betrachteten Entwicklungen: Die Tochter Cronos bot eine der Xerox-Technik vergleichbare Lösung an, die mechanisch steuerbare Silizium-Mikrostrukturen enthalten, die zur Steuerung, Verstärkung und Umlenkung von Lichtwellen genutzt werden können.
Die nun auch von Xerox entwickelten Photonik-Chips ermöglichen optische Schalter/Switches, die mit optischen Netzen auf Basis von Wavelength Division Multiplexing (WDM) möglichen Datenraten nicht mehr nur auf direkte Verbindungen zwischen zwei Netzwerkknoten begrenzen. Ein Großteil des Datenstroms (Transitverkehr) kann bei Bedarf ohne Geschwindigkeitsverlust über die Netzknoten direkt weitergeleitet werden; die bei herkömmlicher Technik auch in optischen Netzen notwendigen und vergleichsweise langsamen Umsetzungen zwischen Optik und Elektronik in den Vermittlungsknoten entfallen. Allerdings lagen die Geschwindigkeiten der Schaltverorgänge, die zum Weiterleiten von Nicht-Transitverkehr notwendig sind, bei bisherigen Lösungen mit Mikrospiegeln teilweise noch im Millisekunden-Bereich. Xerox spricht zwar davon, mit seiner Technik die Probleme der Mirkospiegel zu vermeiden, lässt sich aber über die erzielbaren Schaltgeschwindigkeiten nicht weiter aus.
Zu den Themen Photonik und optische Netze siehe auch: (jk)
- Roland Kiefer, Peter Winterling, Optische Netze, Technik, Trends und Perspektiven, c't 2/2003, Seite 152 (kostenpflichtiger Download im Online-Archiv von c't)
- Jan Späth, Mehr Licht!, Photonische Netze: die Zukunft der Kommunikationsnetze, c't 1/1999, Seite 156 (kostenfplichtiger Download im Online-Archiv von c't)