Carly Fiorinas Rechnung scheint aufzugehen
Mit zwei milliardenschweren Dienstleistungsaufträgen kann Hewlett-Packard seine Position stärken -- auch gegen Kritiker der vor knapp einem Jahr vollzogenen Fusion mit Compaq.
Vor etwas mehr als einem Jahr kämpfte Walter B. Hewlett, einer der Söhne der Mitbegründer von Hewlett-Packard, noch tapfer gegen die Fusion von HP mit Compaq. Seinerzeit trug er der US-amerikanischen Wertpapier- und Börsenkommission SEC vor, HP-Aktien könnten bei einer Absage der Fusion möglicherweise 14 bis 17 US-Dollar mehr wert sein. Hewlett hatte am Ende vergeblich die Akquisition kleinerer Unternehmen empfohlen.
Seit knapp einem Jahr ist die Fusion vollzogen und Walter Hewlett aus dem HP-Vorstand abgewählt. Es ist müßig zu hinterfragen, ob Walter Hewlett Recht behalten hätte, wäre die Fusion nicht zustande gekommen. Eine Katastrophe, wie einige Kritiker befürchtet hatten, ist jedenfalls nicht eingetreten. Stattdessen konnte HP wie gestern gemeldet Dienstleistungsaufträge in Milliardenhöhe an Land ziehen -- die größten Service-Aufträge in der Geschichte des Unternehmens. Das Rezept der Fusion mit einem großen Partner, statt sich auf Kernkompetenzen und Erwebungen kleinerer Unternehmen zu verlassen, scheint aufzugehen.
Von Anfang an war HP-CEO Carly Fiorina davon ausgegangen, dass die Wirtschaftsflaute anhalten und sich die IT-Branche konsolidieren werde. Sie wollte jährlich 2,5 Milliarden US-Dollar Kosten einsparen und versprach den Aktionären baldmöglichst Profitabilität. Bereits im ersten Jahr nach der Fusion sollen es 3 Milliarden eingesparte US-Dollar sein. Zwar ging im ersten Quartal des Geschäftsjahres der Umsatz um 100 Millionen US-Dollar gegenüber dem Vorquartal zurück, doch der operative Gewinn lag mit 29 US-Cent pro Aktie 2 US-Cent höher als erwartet, Netto blieben HP 721 Millionen US-Dollar übrig.
Mitte Februar 2002 notierte die HP-Aktie bei etwas über 20 US-Dollar; zum Börsenschluss am vergangenen Freitag wurde sie für 15,30 US-Dollar gehandelt. Damit notiert der HP-Aktienkurs zwar heute etwa ein Drittel niedriger als bei Bekanntgabe der Fusion vor 19 Monaten, doch der Marktwert von 48 Miliarden US-Dollar ist größer als der von Sun, Gateway, EMC und EDS zusammengenommen. Dem gegenüber stehen insgesamt fast 18.000 Entlassungen, die sich moralisch nicht unbedingt kräftigend auf die übrig gebliebene Belegschaft ausgewirkt haben werden.
Die anhaltende Wirtschaftsflaute wird es HP außerdem weiter schwer machen, wie versprochen den Umsatz und den Aktienkurs hoch zu treiben, zumal Dell und Lexmark die größte HP-Sparte Imaging and Printing -- für Walter Hewlett eine der "Kronjuwelen" des Unternehmens -- unter Beschuss nehmen. Dem versucht HP auch durch eine 400 Millionen US-Dollar schwere Werbekampagne mit dem Motto "everything is possible" entgegenzuwirken. In einem Monat wird sich zeigen, ob HP im laufenden Quartal wie bei Bekanntgabe der letzten Quartalszahlen vorsichtig prognostiziert und im März bekräftigt, 27 US-Cent Gewinn je Aktie einstreichen kann. (anw)