Neues Notbremssystem soll Folgeunfälle verhindern
Ein Unfall ist schlimm genug – aber oft kommen noch Folgekollisionen hinzu. Bosch entwickelt ein Bremssystem, das nach einem Aufprall das Fahrzeug abbremst, um nachfolgende Unfälle zu verhindern oder abzumildern
- Gernot Goppelt
Stuttgart, 19. Juli 2007 – Ein Unfall ist schlimm genug – aber durch unkontrollierte Reaktionen des Fahrers im ersten Schreck kommen oft noch Folgekollisionen hinzu. Bosch entwickelt ein Bremssystem, das nach einem Aufprall das Fahrzeug abbremst, um nachfolgende Unfälle zu verhindern oder zumindest abzumildern.
Bei rund einem Viertel aller Pkw-Unfälle mit Personenschaden in Deutschland kommt es nach Angaben des Automobilzulieferers Bosch nach einem ersten Aufprall zu weiteren Kollisionen des Unfallfahrzeugs. Ursache hierfür sei meistens, dass viele Fahrer in der Schrecksekunde nach einem Zusammenstoß die Kontrolle über ihr Fahrzeug verlieren.
Neues Notbremssystem soll Folgeunfälle verhindern (4 Bilder)

SCM könnte in Zukunft Folgekollisionen nach einem Unfall verhindern oder zumindest mildern.
Dies gefährde sowohl die Fahrzeuginsassen als auch die anderen Verkehrsteilnehmer. Bei solchen Unfällen soll zukünftig die Funktion „Secondary Collision Mitigation“ (SCM) helfen, die Bosch derzeit zur Serienreife entwickelt und ab 2009 den Automobilherstellern anbieten möchte. Die wörtliche Übersetzung ist in etwa „Nachrangige Aufprall-Milderung“ – und verständlicher: „Schutz vor Folgekollisionen nach einem Unfall“.
Die SCM-Notbremsung soll weitere Kollisionen vermeiden
SCM löst nach dem ersten Aufprall eine Abbremsung aus, so dass nachfolgende Kollisionen ganz verhindert oder zumindest in ihrer Schwere deutlich gemildert werden können. Die Fahrzeuginsassen und die Verkehrsteilnehmer in unmittelbarer Umgebung sollen dadurch besser geschützt werden. Die Idee entstand auf Grundlage der Erkenntnis, dass Autofahrer nach einem Unfall oft dazu neigen, im ersten Schreck unkontrolliert zu lenken – in vielen Fällen wäre es jedoch besser, nur zu bremsen und stehen zu bleiben.
Ein anderes typisches Beispiel ist laut Dr. Michael Strugala, Entwicklungsleiter des Produktbereichs Insassenschutz Geschäftsbereich Automobilelektronik, ein Unfall, bei dem das Fahrzeug mit hoher Geschwindigkeit auf ein vorausfahrendes Fahrzeug auffährt. Die Wucht des Aufpralls ist so groß, dass dieses seitlich abgelenkt wird und mit großer Wucht in die Leitplanke prallt – ein Schreckensszenario, das beispielsweise bei Kolonnenfahrt auf der Autobahn mit häufigen Beschleunigungs- und Bremsmanövern nur allzu leicht Wirklichkeit werden kann.