Microsoft auf Kollisionskurs mit Oracle

"Das wird ein Frontalzusammenstoß" kommentiert Microsofts Senior Vice President Orlando Ayala das Verhältnis der Windows-Company zum Unternehmenssoftwarehaus Oracle.

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Von
  • Hans-Peter SchĂĽler

"Das wird ein Frontalzusammenstoß" kommentiert Microsofts Senior Vice President Orlando Ayala das Verhältnis der Windows-Company zum Unternehmenssoftwarehaus Oracle. In einem Interview erläuterte der Marketing-Manager, Oracle versuche vermehrt, kleinere Kunden anzusprechen, während Microsoft auch größere Unternehmen ins Visier nehme: "Die bewegen sich abwärts, wir bewegen uns aufwärts."

In Redmond hatte man sich bislang auf Abnehmer konzentriert, die maximal 5000 Mitarbeiter beschäftigen, doch innerhalb des letzten Jahres hat der Konzern Anwendungen forciert, die auch bei größeren Betrieben Fuß fassen könten, etwa den Content Management Server oder das Enterprise Data Center, das laut Hersteller bis zu 50.000 Desktop-Arbeitsplätze bedienen kann.

Bis zum letzten Jahr haben Gates & Co diese Pakete kaum an den Mann bringen können, weil kein Verkaufspersonal bereit stand. Doch in den vergangenen Monaten, meinte Ayala, habe man Leute für diese Aufgabe eingestellt, und immerhin falle es leichter, Kunden von der Erweiterbarkeit Microsoft-gefertigter Software zu überzeugen, als die traditionell auf Großkunden fokussierte Oracle-Software einem kleineren Betrieb schmackhaft zu machen, zumal dann, wenn man so wie der Datenbank-Spezialist nur über Vertriebskanäle zur Ansprache von Großkunden verfüge.

Im Oracle-Hauptquartier dürfte man die Worte mit Freude vernehmen. Im Zusammenhang mit der versuchten feindlichen Übernahme des konkurrierenden Anwendungsherstellers Peoplesoft muss das Unternehmen über jeden aufzuführenden Mitbewerber dankbar sein. Haben sich doch just in den vergangenen Tagen die Staatsanwälte mehrerer US-Bundesstaaten mit schriftlichen Vertraulichkeitsvereinbarungen kurzgeschlossen, um gemeinsam in Kartelluntersuchungen der möglichen Fusion einzutreten. Wehe, wenn die Wettbewerbshüter zu dem Schluss kommen, das Verschwinden von Peoplesoft könnte auf dem Softwaremarkt für Konzerne zu wenige Hersteller übrig lassen.

Und wenn Oracle-Chef Ellison tatsächlich Konkurrenz in Redmond heranwachsen sieht, dürften ihm die Perspektiven einer Peoplesoft-Fusion umso mehr gefallen: Ein Betrieb, der sich künftig statt einer Peoplesoft-Lösung für eine solche aus dem Hause Oracle entscheidet, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch eine Oracle-Datenbank als Unterbau ins Auge fassen. Und als denkbarer Lizenznehmer für Microsofts SQL-Server ausscheiden. (hps)