T-Aktie ein Jahr nach Sommers RĂĽcktritt weiter im Tief
Auch ein Jahr nach dem RĂĽcktritt von Telekom-Chef Ron Sommer hat die T-Aktie die Trendwende nicht geschafft.
Auch ein Jahr nach dem Rücktritt von Telekom-Chef Ron Sommer hat die T-Aktie die Trendwende nicht geschafft. Heute notierte das Papier bei 12,82 Euro und lag damit nur geringfügig über dem Tageskurs vom 17. Juli 2002. An dem Tag hatte Sommer nach monatelangen Spekulationen und Forderungen nach personellen Konsequenzen das Handtuch geworfen. Nachdem er auf der Hauptversammlung der Telekom im Mai 2002 von Kleinaktionären zum Teil scharf angegriffen worden war, verlor der einst viel gepriesene Manager schließlich auch im Aufsichtsrat die Unterstützung.
Seine Rücktrittserklärung -- "ich habe mich den Realitäten zu stellen" -- sorgte zwar für ein kurzzeitiges Auflodern der T-Aktie. Doch das erwartete Kursfeuerwerk blieb aus. Die Aktie schaffte es nicht, im Lauf des Jahres ihren Ausgabekurs vom November 1996 (14,32 Euro) dauerhaft zu übertreffen. Die langwierige Suche nach einem Nachfolger für Sommer, dessen Posten vorübergehend vom früheren Aufsichtsratschef Helmut Sihler übernommen wurde, ließ den Aktienkurs weiter abbröckeln. Anfang Oktober rutschte die T-Aktie sogar unter die Marke von 9 Euro. Seit ihrem Höchststand vom Frühjahr 2000 hatten die Anleger damit mehr als 90 Prozent ihres Vermögens verloren.
Erst mit der Berufung des Mobilfunkmanagers der Telekom, Kai-Uwe Ricke, zum neuen Vorstandsvorsitzenden kehrte Ruhe ein. Ricke, dessen Vater bereits Vorstandsvorsitzender der Telekom war, verordnete dem Unternehmen einen rigiden Sparkurs. Gleichzeitig erhielt der Konzern eine Holdingstruktur. Alle Vorstände der vier operativen Divisionen (T-Mobile, T-Com, T-Systems, T-Online) sind seitdem im Vorstand vertreten.
Mit einem zweistelligen Milliarden-Betrag korrigierte Ricke Zukäufe und Lizenzen in der Bilanz 2002. Mit fast 20 Milliarden Euro wurden sie wertberichtigt, was zum bisher größten Verlust eines deutschen Unternehmens in der Wirtschaftsgeschichte führte. Im Jahr 2002 schrieb die Telekom einen Verlust von knapp 25 Milliarden Euro.
Aber schon im ersten Quartal 2003 erwirtschaftete das Unternehmen wieder Gewinne. Für das laufende Jahr hat sich der Vorstand vorgenommen, den Schuldenberg von derzeit noch rund 56 Milliarden Euro auf rund 50 Milliarden Euro zu verringern. Finanziert werden soll der Abbau aus Verkäufen nicht-strategischer Beteiligungen und aus Erträgen des operativen Geschäfts. (dpa) / (anw)