Online-Musikanbieter machen sich Mut
Die Online-Musikläden geben den Kampf gegen die Tauschbörsen nicht verloren.
Larry Kenswil, Präsident der eLabs von Universal Music, griff auf dem Branchentreffen Plug.in zu drastischen Worten: "Wenn wir diese Schlacht verlieren, wird es für uns und unsere Kinder weniger Musik geben." Doch der Kampf gegen die Tauschbörsen sei noch nicht verloren. Es komme darauf an, den Musikkauf so einfach zu machen, wie es bisher einfach sei, Musikstücke zu stehlen. Die Musikbranche sollte ihre Grabenkämpfe auf später verschieben und gemeinsam vorgehen.
Als Vertreter der von Kenswil als Vorreiter der Musikdienste gelobten Angebote wie BuyMusic.com und iTunes Music Store war auch Peter Lowe von Apple zugegen. Er meint, die Tauschbörsen könnten am besten an ihren Schwächen gepackt werden. Oft bekämen Tauschbörsen-Teilnehmer beschädigte Dateien oder die falschen Musikstücke über schlechte Verbindungen geliefert; und auf die Cover der Alben müssten sie ganz verzichten. Apple werde konsequent Musik je Song verkaufen, denn Musikabonnements seien grundsätztlich der falsche Weg. Befürchtungen, der stückweise Verkauf von Musik führe zum Ende des Albums, wie sie zum Beispiel die Band Metallica hegt, widerlegte Lowe durch Zahlen: Bei allen Musikstücken, die bislang über iTunes verkauft wurden, seien 46 Prozent komplette Alben. Der Erfolg des Musikdienstes befördert anscheinend auch eine andere Geschäftssparte: Seit dem Start von iTunes vor drei Monaten seien 300.000 neue iPods verkauft worden.
Roxio-CEO Chris Gorog, der zum Ende des Jahres Napster 2 in den USA ins Netz hieven will, sieht als erste Zielgruppe die Käuferschar an, die bislang die CD-Brennsoftware seines Unternehmens erworben hat. Dabei spekuliert er auch auf die Popularität der ehemals erfolgreichsten Tauschbörse. Nach einer internen Untersuchung erinnerten sich 97 Prozent der Onliner an den Namen, 73 Prozent mit "positiven Gefühlen". Und 47 Prozent seien bereit, für das neue Napster zu zahlen. Gorog meint im Gegensatz zu Lowe, das Abonnement-Angebot sei eine sinnvolle Ergänzung, etwa wie manche Restaurants All you can eat neben ihrem normalen Angebot haben. Napster 2 soll ungefähr ein Jahr nach dem US-Start auch in Europa verfügbar sein. (anw)