Siemens-Schmiergeldskandal: Heinrich von Pierer droht Millionenstrafe
Nicht nur will Siemens im Schmiergeldskandal von seinem Ex-Vorstandsvorsitzenden möglicherweise den vollen Schaden ersetzt haben, die Staatsanwaltschaft will zudem einen Bußgeldbescheid von bis zu einer Million Euro erlassen.
Für Heinrich von Pierer kommt es wohl ganz dick: Nicht nur, dass der Elektrokonzern Siemens angeblich den vollen Schaden aus der Schmiergeldaffäre bei seinem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden gerichtlich geltend machen will, wenn dieser nicht die geforderten 6 Millionen Euro bezahlt. Nun droht von Pierer auch ein Bußgeldbescheid in Millionenhöhe, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Die Staatsanwaltschaft in München, die das Schmiergeldsystem bei Siemens aufgedeckt hat, halte von den Unschuldsbeteuerungen des Ex-Siemens-Chefs nichts: Die Ermittlungsbehörde will nach Informationen der Zeitung einen Bußgeldbescheid gegen Pierer erlassen, der bis zu eine Million Euro betragen kann. Das Verfahren gegen Pierers Nachfolger Klaus Kleinfeld solle dagegen mangels Schuld eingestellt werden.
In dem Korruptionsskandal geht es um 1,3 Milliarden Euro an dubiosen Zahlungen, die vermutlich als Schmiergeld zur Erlangung von Aufträgen im Ausland eingesetzt wurden. Im Jahr 2008 hatte der Siemens-Aufsichtsrat bereits Regressforderungen gegen frühere Top-Manager wegen des milliardenschweren Schmiergeld-Skandals und der Affäre um verdeckte ZahlungenLinktext an die Arbeitnehmerorganisation AUB abgesegnet.
Heinrich von Pierer, der bislang jede Verantwortung für den Schmiergeldskandal von sich gewiesen hat, soll nun nach Angaben der Süddeutschen Zeitung zahlen , weil er seine Amtspflichten verletzt und damit eine Ordnungswidrigkeit begangen habe. Pierer habe die Geschäfte des Konzerns nicht genau genug geprüft. Dadurch sei es möglich gewesen, dass Regierungen und Geschäftspartner in fast allen Erdteilen bestochen wurden, um auf diese Weise an lukrative Aufträge für den Bau von Kraftwerken und für andere Projekte zu gelangen. Siemens selbst sieht die Schmiergeldaffäre inzwischen als aufgeklärt an: "Wir sind ziemlich sicher, dass wir alles aufgeklärt haben, was aufzuklären war. Es kann natürlich keine absolute Sicherheit geben, dass nicht irgendwann ein alter Fall auftaucht. Aber ich halte das für unwahrscheinlich", erklärte Siemens-Vorstand Peter Solmssen Ende September.
(jk)