MCI gerät weiter unter Druck

Der skandalgeschüttelte Telekommunikationskonzern, ehemals als WorldCom bekannt, gerät juristisch von allen Seiten unter Beschuss; die Sanierung könnte in Gefahr geraten.

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Von
  • JĂĽrgen Kuri

Es könnte den "Tod durch tausend kleine Schnitte" bedeuten, kommentierte das Wall Street Journal: Nachdem der Generalstaatsanwalt von Oklahoma den skandalgeschüttelten Telekommunikationskonzern MCI schon wegen Verletzung des Wertpapiergesetzes und Steuertricksereien vor den Kadi zerrt, folgen weitere Bundesstaaten. Nach Informationen der Finanzzeitung wird der Generalstaatsanwalt von Virginia innerhalb der nächsten Tage ebenfalls Anklage erheben. Und ein weiterer US-Bundesstaat soll noch Mitte September folgen.

Im Mittelpunkt der Anschuldigungen stehen nun nicht die Tricksereien der ehemaligen WorldCom, die zum größten Bilanzfälschungsskandal der US-Geschichte führten. Die Anwälte der US-Bundesstaaten zweifeln vielmehr die Rechtmäßigkeit eines komplizierten Schemas an, das WorldCom zugegebenermaßen nach der Übernahme der damaligen MCI 1998 nutzte und das zu Steuerersparnissen in Millionenhöhe führten. Außerdem sieht sich MCI mit immer heftigeren Anschuldigungen der Konkurrenz konfrontiert, bei Tarifabrechnungen mit lokalen Telefonanbietern betrogen zu haben.

Die Anschuldigung des Tarifbetrugs ist zwar nach Ansicht von Richard Breeden, der vom Konkursgericht als Überwacher des Insolvenz-Verfahrens eingesetzt wurde, nur ein Versuch der Konkurrenz, MCI weiter zu destabilisieren. Konzerne wie Verizon sind aber bereits mit heftiger Lobby-Arbeit beschäftigt, um zu verhindern, dass MCI ohne Schulden aus dem Konkursverfahren nach Chapter 11 herauskommt -- dies stelle einen unfairen Wettbewerbsvorteil für einen Konzern dar, der diverser Vergehen schuldig sei. Verizon war bereits eine treibende Kraft hinter dem Beschluss, dass MCI keine weiteren Regierungsaufträge mehr erhalten kann.

So haben Breeden und das MCI-Management noch einen langen Weg vor sich, um den Konzern zu sanieren. Nicht nur mĂĽssen sie die finanzielle und operative Situation des Telekommunikationsanbieters in den Griff bekommen, zudem mĂĽssen sie mit immer neuen juristischen Auseinandersetzungen fertig werden. Die Sanierung von MCI ist noch keineswegs gesichert, auch wenn Breeden den Konzern auf dem richtigen Weg sieht. (jk)