Ricke: "Die Deutsche Telekom ist auf Spur"
Ein Jahr nach seinem Amtsantritt hat Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke beim größten europäischen Telekommunikationskonzern nach Ansicht von Beobachtern und Analysten die Wende geschafft.
Ein Jahr nach seinem Amtsantritt hat Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke beim größten europäischen Telekommunikationskonzern nach Ansicht von Beobachtern und Analysten die Wende geschafft. Binnen eines Jahres zog der Nachfolger von Ron Sommer den hoch verschuldeten Konzern aus seinem Tief. Die Schulden sanken bis zum Ende des dritten Quartal 2003 erstmals seit vier Jahren wieder auf unter 50 Milliarden Euro. "Wir sind mit unseren Ergebnissen höchst zufrieden", betonte Ricke bei der Vorlage der Quartalszahlen. Erleichtert und mit neuem Selbstbewusstsein blickt Ricke nach vorne: "Jetzt steht ausschließlich das profitable Wachstum im Vordergrund." Selbst gezielte Zukäufe schließt er nicht aus, wenn sie zur Wertsteigerung beitragen. Aber auf eine neue Einkaufstour werde das Unternehmen nicht gehen.
Tatsächlich hat der 42-Jährige Manager auch aus Sicht von Börsianern einen guten Job gemacht: Nicht nur der rasante Schuldenabbau -- innerhalb eines Jahres schrumpften die Verbindlichkeiten um mehr als 15,1 Milliarden auf 49,2 Milliarden Euro -- auch die Ergebnisse können sich sehen lassen. Bis Ende September 2003 summierte sich der Konzernüberschuss auf 1,6 Milliarden Euro, nachdem im vergangenen Jahr der rosa Riese durch hohe Abschreibungen auf teure Firmenzukäufe und Lizenzen noch mit fast 25 Milliarden Euro tief in den roten Zahlen gestanden hatte. Angetrieben durch die Mobilfunksparte kletterte der Umsatz um 5,4 Prozent auf 41,3 Milliarden Euro.
Die operative Ertragskraft des Unternehmens habe sich deutlich verbessert, betonte Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick. Und Ricke ergänzt: "Die Deutsche Telekom ist auf Spur". Dabei habe der Vorstand bis an die Schmerzgrenze gehen müssen. "Wir haben den Konzern einer wahren Rosskur unterzogen -- aber das hat uns gut getan". Unter Rickes Leitung wurde der Konzern stärker auf seine vier Divisionen ausgerichtet und Beteiligungen verkauft. Schließlich war die Telekom zuvor durch den Absturz der T-Aktie und die vielen Versprechungen des früheren Vorstandsvorsitzenden Sommer in eine tiefe Vertrauenskrise geraten. Die vier Sparten erhielten mehr Eigenständigkeit und der Konzernvorstand wurde verkleinert. Gespart wurde auf allen Ebenen.
Bis 2005 hatte sich die Telekom einen Abbau von mehr als 40.000 Stellen vorgenommen. Betroffen ist vor allem die Festnetzsparte T-Com. Nach wie vor liegen Ricke die hohen Personalkosten im Magen. "Wir haben zu viele Mitarbeiter an Bord." An der Verbesserung der Personalaufwands-Quote gehe kein Weg vorbei, betonte er. Ende September beschäftigte das Unternehmen konzernweit knapp 250.000 Menschen, darunter 175.000 in Deutschland.
In die Personal-Service-Agentur Vivento wurden bis Ende September knapp 12.000 Telekom-Beschäftigte ausgegliedert. Am Jahresende soll die Zahl bei rund 18.000 liegen. Dieser Transfer habe im Konzern zu Einsparungen von 600 Millionen Euro geführt, sagte Ricke. Stimmt die Gewerkschaft dem vorgeschlagenen Beschäftigungspakt einer Arbeitszeitverkürzung mit entsprechenden Lohneinbußen zu, könnten 10.000 Arbeitsplätze wieder besetzt werden.
"Wir haben die Telekom wieder zu einem normalen Unternehmen gemacht", zog Ricke das Fazit seiner einjährigen Amtszeit. Nur zum Kurs der T-Aktie will er sich nicht äußern. Denn der dümpelt seit vielen Monaten unter dem Ausgabepreis von 1996 (14,32 Euro). "Den Aktienkurs werde ich niemals kommentieren", sagt Ricke. Der Telekom-Chef hat seine Lektion gelernt. Den Fehler seines Vorgängers Sommer will er nicht machen und versprechen, was er nicht versprechen kann. Für die T-Aktionäre bleibt deshalb nur ein kleiner Trost: Für das Geschäftsjahr 2004 sollen sie wieder mit einer Ausschüttung bedacht werden. Finanzchef Eick wird an dem Punkt ganz konkret: "Wir wollen eine Dividende zahlen und werden sie zahlen." (Peter Lessmann, dpa) / (jk)