Melani und Sonia schĂĽtzen Schweizer Infrastrukturen
Die Schweizer Bundesverwaltung plant fĂĽr den Ernstfall einer Infrastrukturkatastrophe.
Der Internetcrash mit globalen Ausmaßen ist zwar noch ein Horrorszenario. Rein virtuell ist er aber nicht mehr, sagt Ruedi Rytz vom Schweizer Informatikstrategieorgan des Bundes in Bern. Die Schweizer Bundesverwaltung plant daher für den Ernstfall. Rytz stellte bei der Tagung Domain Pulse das Schweizer Konzept und sein Herzstück "Melde- und Analysestelle Informationssicherheit (Melani) vor. Den Betrieb von Melani hat die Bundesverwaltung in die Hände von Switch gelegt, die das Wissenschaftsnetz der Schweiz betreibt.
Die "gehackte" Abwasserverwaltung in Australien, ein durch Wurm verursachter Störfall in einem Kernkraftwerk in Ohio und der Stromblackout in den USA, der von Sicherheitsexperten wie Bruce Schneier als eine Missetat des Blasterwurmes beurteilt wurde, sind ferne Ereignisse. Aber auch die Schweiz hatte bereits ihre Minikatastrophe: Ein Softwareupdate bei der Schweizer Bahn legte vor knapp zwei Jahren den Basler Bahnhof für Stunden lahm. Insgesamt sind vier Einzelprojekte Teil der Strategie. Bei Prävention und Analyse setzt man stark auf die private Stiftung Infosurance, im Krisenfall betreibt der Sonderstab IA der Wirtschaftlichen Landesversorgung (SONIA) Schadensbegrenzung.
Zentrale Aufgabe sowohl in der Früherkennung und in der Bekämpfung der Krisenursachen übernimmt das von Switch betriebene Melani. Es beobachtet die Vorgänge im Netz, gibt Frühwarnungen heraus, dient im Krisenfall als Help Desk und berät die Behörden bei der Verfolgung von Tätern und der Wiederherstellung der Netze. "Wenn das Matterhorn umfällt, wie es letzten Sommer wegen der Trockenheit fast passiert ist, können wir natürlich nichts tun," so Rytz. Für den Schutz der kritischen Infrastruktur sei man aber immerhin in der Aufwärmrunde. (Monika Ermert) / (anw)