Erste UMTS-Dienste statt großer Durchbruch
In Deutschland läuft das neue Mobilfunknetz nur im Probebetrieb. Zur CeBIT wird sich das nicht ändern.
Die Tests laufen auf Hochtouren: Die vier Netzbetreiber T-Mobile, Vodafone D2, E-Plus und O2 bereiten sich auf den lange erwarteten Start des UMTS-Netzes vor. Im Probebetrieb sammeln sie vor allem Erfahrungen mit der Nutzung der neuen Technik über Laptops. Aber auch die Entwicklung von Handys für den neuen Übertragungsweg schreitet voran. Auf der Leitmesse der Branche CeBIT in Hannover (18. bis 24. März) wollen Netzbetreiber und Handyhersteller Geräte und Anwendungen präsentieren. Der Startschuss für das neue Netz wird auf der CeBIT aber nicht fallen.
T-Mobile hat sein UMTS-Netz bereits im Januar freigeschaltet, den kommerziellen Betrieb allerdings noch nicht gestartet. "Prinzipiell können Anwender, die ein entsprechendes Endgerät haben, das Netz heute schon nutzen", sagt T-Mobile-Sprecher Philipp Schindera in Bonn. Es mangele aber noch an Diensten. Auch an der Stabilität des Netzes werde noch gearbeitet. Einen genauen Termin zum offiziellen Start des Netzes gebe es noch nicht, er liege aber definitiv in diesem Jahr: "Wir haben die Zielgerade vor Augen."
Alle vier Anbieter haben nach eigenen Angaben zum Jahresende 2003 ihre UMTS-Netze so weit aufgebaut, dass sie je mindestens 25 Prozent der Bevölkerung erreichen. Das ist der in den UMTS-Lizenzbedingungen vorgeschriebene Wert. Zurzeit werden die vier Netze ausgebaut.
"Mit mehreren Firmenkunden testen wir zur Zeit eine UMTS-Karte für das Notebook", sagt Jens Kürten, Vodafone-Sprecher in Düsseldorf. Die Erfahrungen der Testkunden mit der Geschwindigkeit des Netzes seien sehr positiv. Handys würden bis jetzt intern getestet. "Sobald die letzten Fehler beseitigt sind, wollen wir mit drei bis vier Geräten in den Kundentest gehen." Danach soll das Netz schrittweise vermarktet werden. "Frühestens ab dem Frühjahr werden die ersten Geräte für das Vodafone-Netz auf den Markt kommen." Eine größere Auswahl von fünf und mehr Handys erwartet Kürten aber erst im Herbst.
Den kommerziellen Durchbruch der UMTS-Handys sieht Nadine Kleinert, Sprecherin von O2 in München, sogar erst zum diesjährigen Weihnachtsgeschäft. "Vorher wird es schon attraktive Geräte für Geschäftskunden geben." Handys für Privatkunden müssten aber nicht nur funktionieren, sondern auch möglichst klein und schick sein. Die UMTS-basierten Dienste sollen dann über das Portal O2 active angeboten werden, auf das Nutzer bereits mit den bestehenden Standards zugreifen können. Zur CeBIT will O2 einen ersten UMTS-Dienst über eine PC- und Laptop-Karte anbieten. "Zur Zeit werden dieses Angebot und weitere Dienste getestet", sagt Kleinert.
Auch E-Plus will auf der CeBIT die ersten UMTS-Dienste vorstellen und nach der Messe mit der Vermarktung beginnen. "Der Zeitpunkt steht aber noch nicht fest", sagt Markus Gehmeyr, Sprecher des Unternehmens in Düsseldorf. Dazu werde für die bestehende Plattform i-mode für Handydienste demnächst ein Zugang über UMTS geschaffen. Vor allem diese Inhalte seien bei der Einführung der neuen Technik wichtig: "Geschäftskunden kommt es auf einen schnellen Zugriff auf Datenbanken oder auf den Kontakt vom Laptop mit dem Unternehmensnetzwerk an", sagt Gehmeyr. Den Privatkunden müssten dagegen vor allem unterhaltsame Angebote zum Beispiel mit bewegten Bildern gemacht werden.
Neben einem stabilen Netz und ausgereiften Diensten sind zum UMTS-Start aber auch spezielle Endgeräte nötig. Die großen Hersteller haben erst wenige UMTS-Handys im Angebot: Seit Januar verkauft Siemens das U15, das erste kommerzielle Handy für das neue Netz. Mit dem Gerät seien unter anderem Videotelefonie und -streaming möglich, sagt Anja Klein, Sprecherin von Siemens Mobile in München. Mit einem Preis von 1049 Euro dürfte das Gerät für die meisten Nutzer aber noch zu teuer sein.
Im Jahr 2004 will Siemens zwar ein weiteres UMTS-Handy auf den Markt bringen, mit einem Durchbruch der neuen Technik rechnet das Unternehmen jedoch noch nicht. "Ein Massenmarkt wird erst im kommenden Jahr entstehen", so Klein.
Der finnische Handyhersteller Nokia hat bisher das UMTS-Handy 7600 im Programm. Mit dem Gerät, das auch im heutigen GSM-Netz funktioniert, könnten Bilder und Töne aufgenommen, versendet oder empfangen werden, so Kristina Rücken, Sprecherin des Unternehmens mit Deutschlandsitz in Düsseldorf. Es sei sogar möglich, gleichzeitig auf einer Internetseite zu surfen und mobil zu telefonieren.
Sony Ericsson will im zweiten Quartal 2004 sein erstes UMTS-Handy Z1010 auf den Markt bringen. Das Gerät soll mit zwei eingebauten Kameras Videokonferenzen und andere Anwendungen unterstützen. Die Entwicklung und Markteinführung erfolge in Abstimmung mit den Netzbetreibern, sagt Myriam Hoffmann, Sprecherin von Sony Ericsson in Köln. Weitere Modelle seien zunächst nicht geplant: "Wenn das Z1010 erfolgreich eingeführt ist, sehen wir weiter." (Katharina Klink, dpa)/ (tol)