Jetpacks gehen in Serie

Das neuseeländische Unternehmen Martin Aircraft will zusammen mit einem internationalen Partner mindestens 500 Düsenrucksäcke im Jahr bauen - und verkaufen.

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Das neuseeländische Unternehmen Martin Aircraft will zusammen mit einem internationalen Partner mindestens 500 Düsenrucksäcke im Jahr bauen – und verkaufen.

Der Düsenrucksack weckt seit seinen ersten Auftritten in den Science-Fiction-Romanen der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts unter den Menschen zahllose Fantasien. Aufgeschnallt wie ein Rucksack, sollte sich sein Träger per Rückstoß wie ein Vogel durch die Lüfte bewegen können – inklusive Senkrechtstart mit ebensolcher Landung.

Das neuseeländische Unternehmen Martin Aircraft will den alten Traum nun wiederbeleben – nach insgesamt 30-jähriger Forschungsarbeit seiner Gründer. Geplant ist eine Serienproduktion von 500 Stück der im Englischen auch "Jetpack" genannten Systeme pro Jahr. Bislang hatte sich die Flughilfe, die erst in den 50ern erstmals praktisch technisch umgesetzt werden konnte, als bislang wenig zuverlässig erwiesen. Sie war immer mehr Schein als Sein.

Bisherige Modelle von anderen Entwicklern konnten nicht lange in der Luft bleiben – im besten Fall unter zehn Minuten – und waren zudem sehr schwer zu steuern und damit für einen Regelbetrieb zu gefährlich. Deshalb hat Martin Aircraft auch Antrieb und Design radikal verändert. Der "Martin Jetpack" setzt nicht mehr auf ein reines Rückstoßprinzip etwa mit Heißdampf wie seine Ahnen, sondern auf zwei senkrecht installierte Propeller.

Diese Turbinen werden von einem Zweitakt-Benzinmotor mit einer Leistung von 150 Kilowatt und zwei Litern Hubraum angetrieben. Das bietet zwar den Vorteil, dass sich das System viel besser kontrollieren lässt. Allerdings hat dieser Ansatz auch Auswirkungen auf die Größenverhältnisse: So ist das Gerät nicht mehr sonderlich kompakt, sondern misst in allen drei Raumrichtungen etwa 1,5 Meter. Und: Obwohl der Martin Jetpack aus einem Kohlefaser-Komposit und Kevlar gefertigt ist, wiegt er auch ohne Treibstoff satte 115 Kilogramm. Im Laufen bewegen lässt er sich von einem Normalsterblichen also nicht: Nach der Landung muss man die Konstruktion auf dem Boden abstellen.

Ähnlich wie moderne Modellflugzeuge wird der Jetpack mit Hilfe zweier Joysticks gelenkt und beschleunigt. Mit vollem Tank hat das Fluggerät – bei einer Maximalgeschwindigkeit von 100 km/h – eine Reichweite von rund 50 Kilometern und fliegt dabei knapp 30 Minuten lang. Mit verbesserter Antriebstechnik hofft man bei Martin Aircraft, dass sich das in einigen Jahren noch steigern lässt.

Künftige Luft-Helden müssen allerdings ein Flugtraining absolvieren, falls sie nicht einen Pilotenschein für Ultraleichtflugzeuge in der Tasche haben – den setzen Aufsichtsbehörden wie die amerikanische Luftfahrtstelle FAA voraus. Zudem ist der Spaß nicht billig, Käufern wird aufgrund der geringen Stückzahl mit rund 62.000 Euro tief in die Tasche gegriffen. Deshalb hat Martin Aircraft mit dem Produkt eher professionelle Kunden als Freizeitflieger im Visier. Mit dem Jetpack könnten etwa Firmengelände oder große Maschinenparks inspiziert werden. Als erste Kunden erhofft sich die neuseeländische Firma aber neuartige Rettungsflieger: Ersthelfer oder Notärzte könnten mittels Düsenrucksack schneller am Einsatzort sein als Ambulanzen im Kraftfahrzeug.

Produziert werden soll in einer eigens errichteten Fertigung. Martin Aircraft gelang es nach eigenen Angaben, einen internationalen Luft- und Raumfahrtkonzern, dessen Name bislang allerdings geheim blieb, als Partner zu finden – für einen Deal, der bis zu 12 Millionen Dollar wert sein soll. In einem Joint Venture könnte die Herstellung zusammengefasst sein, während sich die Neuseeländer vor allem auf Vermarktung und Weiterentwicklung konzentrieren. Ersten Pressewirbel in den USA und Großbritannien haben sie bereits erzeugt. (bsc)