Was war. Was wird.
Ach, Ostern, ja. Bei all der Eiersucherei scheinen all zu viele Leute zu vergessen, dass Computer ohne Nutzung des menschlichen Verstandes nur Datenwust liefern, befĂĽrchtet Hal Faber.
Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.
Was war.
*** Frohe Ostern! Wenn Hasen gepeitscht werden, Eier zerbrechen und Hühner auch nicht mehr gehorchen beim Eierlegen, dann müssen gute, bunte Wünsche her. Wenn die Sache mit dem Papst und dem lieben Gott immer komplizierter wird und es fast Ferien sind, dann mäkelt der Kolumnist doch nicht über Kleinigkeiten, i wo. Es gibt mehr Ding' im Himmel und auf Erden, als Hase und Huhn sich träumen lassen, Horatio!
*** Ostern! Zufrieden jauchzet Groß und Klein: Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein! Was gibt es Ostern Schöneres als die gereimten Grüße von HelpDesk, dem selbst-autorisierten Dichter jener Prozessgroteske in Amerika, wo scheinbar jeder so agiert, als ob das Leben und das Ohnesorg-Theater deckungsgleich sind. SCO wird mit einer vergreisten Jury gewinnen und Linux ist im wirklichen Leben chancenlos gegen ein Windows, das wesentlich billiger ist als Linux mit seinen Ecken und Kanten. Eine Studie, die sich auf Material stützt, das eine Firma namens Sunbelt ermittelt hat, welchselbige der Scientology-Sekte nahe steht. Derweil spielt die SCO Group auf allen Ebenen auf Zeit. Doch die nächste Anhörung im Prozess mit IBM ist für den 19. April angesetzt. Neben den Dichtern ist das ein Termin, den die Profi-Fischewerfer bereits notiert haben.
*** "Denkt mal darüber nach!!1" ist ein weiteres österliches erEignis, besser ein sieEignis, weil der nächste Band von Twisters Erzählungen über Meinungsfreiheit, Zensur, Privatsphäre und Überwachung diesen analüstigen Titel trägt. Zwischen Resignation und Hoffnung liest man die Reflektion auf ein beschädigtes Leben rund um ein kleines, feines Forum am besten in einem Behaviour-Chair mit einem leichten Schwarzriesling im Glas und den dazu passenden Stromschlägen, die deviantes Verhalten begleiten.
*** Zur Geschichte der Unangepassten gehört ein Datum, über das kaum jemand mehr nachdenkt: Heute vor 36 Jahren wurde Rudi Dutschke von Josef Bachmann angeschossen. Ja, genau, der stinkende Faulsack Dutschke, der mit dafür verantwortlich ist, dass heute Zigtausende von Bioläden den Fortschritt der New Economy blockieren und uns mit Öl aus der Toskana foltern, "fußgepresst von Lesben kurz nach der Mens." Es ist ja Party heute, es wird auf Gräbern getanzt und aus Schädeln getrunken, der Tango kann beim Faulsack Dutschke losgehen, der zusammen mit Gertrud Staewen von der Berliner Judenhilfe in einer Gruft liegt.
*** Es ist einfach unfair, den tänzerisch begabten Steve Ballmer als Affe zu bezeichnen. Steve ist zweifellos ein Homo Sapiens Sapiens und kein wirklich Springen könnender Neandertaler, auch wenn er gerne einmal das Raubtier gibt. Ist es gut, dass Netscape verschwunden ist? Aber sicher. Fliegende Homo Sapiens kennen den Kanal 9, auf dem die Gespräche im Cockpit mitgehört werden können, wenn nichts besonderes passiert. Nun hat Microsoft den Kanal für eigene Zwecke umfunktioniert. Wer mit einem akzeptierten Browser die Videosammlung betritt, sei auf Bill Hills Video verwiesen, in dem Windows nicht das wichtigste Betriebssystem der Welt ist. Der schottische Entwickler preist den Homo Sapiens 1.0, für den Microsoft alles tut, um ihm das Leben so einfach wie möglich zu gestalten. Zum einfachen Leben des Homo Sapiens gehört halt die englische Sitte, keine komplizierte Auswahl treffen zu müssen, wenn man sich schon für eine alternative Bank entschieden hat.
*** So ist halt das Leben: Alles ein Millionenspiel, wie uns Wolfgang Menge, der am Samstag seinen 80. feierte, schon -- für manche allzu deutlich -- vor Augen führte. So mag man auch die Deutschen Immobilien Datenbank als Teil dieses Millionenspiels sehen, in dem nunmehr die Vermietungsinformationen von 280 Städten als Puzzle-Teilchen erfasst sind. Bei 40.000 Euro Abo-Gebühren schmerzt es nicht, dass nur mit dem Explorer zugegriffen werden kann. "Straße für Straße werden die Mieten bekannt", jubelte die FAZ in dieser Woche und lobte Microsoft für den exzellenten Datenschutz der ins System gespeicherten Mietverträge. Die Informationen über Mietverträge für Wohnungen, Garagen und Parkplätze gehören ab sofort Microsoft, der Property Databank London und der European Business School. Da muss ein Ballmer doch tanzen können. Denn in Windows ist richtige Musik, da zählen nicht nur leidenschaftliche Laptops, wenn die Post abgeht. Wenn Kraftwerk allerdings im Server-Raum von 150 Lüftern gespielt wird, klingt es noch besser.
*** Aus aktuellem Anlass folgen die Songs für Condi Rice. Die Sicherheitsberaterin des US-Präsidenten musste dieser Tage unter Eid aussagen. Dabei gab sie keine gute Figur ab und verwickelte sich in Widersprüche, doch nun entwickelt sich daraus eine Debatte über den Nutzen der Informationstechnologie. Die Computer als Wunderwaffe werden bekrittelt. Die Bilder von Bush und seinem Informationskämpfer Ashcroft machen die Runde. Doch verhält es sich mit der Technik wie mit der Warnung, die in Laptop-Taschen angeblich den Präsidenten kritisieren. Sie ist einfach unzureichend. Die beste Formulierung, die auch Politiker beherzigen können, wurde gerade prämiert: "If you do not understand, or cannot read, all directions, cautions and warnings, do not use this product." Wer nicht verstehen will, dass Computer keine Informationen speichern, sondern nur Daten auflisten, der sollte sie nicht benutzen, ohne vorher den Verstand einzuschalten. Dann würde auch den Google-bombenden Gutmenschen die Peinlichkeit erspart bleiben, dass ausgerechnet die vermeintlich von ihnen beschützten Juden ihnen lieber die Leviten lesen: "Information und Aufklärung darf aber nicht Gegenpropaganda sein, die mit stumpfen, halb illegalen Mitteln betrieben wird. Sie muss das Denken anregen, nicht vorschreiben. Widersprüche und Diskussionen, Facetten und Pluralismus sind nicht Mittel zum Zweck, sondern Weg und Ziel."
Was wird.
Peitscht Suchmaschinen, nicht Osterhasen! Schwerter zu Festplatten! Bänke zu Luftballons. Wenn die Eier zerschlagen, die allfälligen und wohlfeilen Demonstrationen vorüber sind, kommt gleich die nächste Demonstration , die sich mit den Patent-Aufrüstungen befasst.
Bislang stand das holprig sprechbare Ubiquitäre Rechnen für die schlichte Tatsache, dass Chips in jeder Ware stecken, die größer als eine Briefmarke und nicht zum Futtern geeignet ist. Nun ändert sich die Szene. Wo Chips drinstecken, können wir vor der Bedrohung durch schmutzige Bomben gerettet werden. zum ersten Mal seit ihren Anfängen beschäftigt sich darum die Fachkonferenz zum Ubicomp mit dem Ubibomb und der Bedrohung durch den Terrorismus. Wir brauchen "Smart Tags", besonders clevere Label auf Waren, die wachsamen Computern rechtzeitig mitteilen, was Unholde sich an ihnen zu schaffen gemacht haben. Und wachsame Computer melden es -- bitte aus aktuellem Anlass bei Condi Rice weiterlesen.
Ohne den Überwachungsstaat und viele ausgetüftelte Mechanismen vom Smart Tag bis zum Smart Brother leben wir natürlich etwas primitiv, vom Risiko umgeben wie der erste Höhlenmensch, den Tiger und Bär futtern wollten. Es gibt, wie es Peter Lustig stets fordert, das Abschalten als erste Indianerpflicht. Ein bisschen Riskiko muss sein in der Risikogesellschaft. Das gilt nicht nur für Fernseher und Computer, sondern erst recht für die vielen geschwätzigen Tags, die uns behüten wollen. Stay  tuned. (Hal Faber) / (jk)