Mannesmann-Prozess: Ackermann-Verteidigung greift Staatsanwälte an

Die Verteidiger des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank werfen der Staatsanwaltschaft Verleumndung vor.

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Im Mannesmann-Prozess um umstrittene Millionenprämien haben die Verteidiger des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Josef Ackermann, der Staatsanwaltschaft unfaires Vorgehen vorgeworfen. Sie reichten beim Düsseldorfer Landgericht eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Staatsanwälte ein. Außerdem soll der NRW-Justizminister Wolfgang Gerhardts einschreiten, damit ein faires Verfahren gewährleistet sei.

Die Verteidiger Eberhard Kempf und Klaus Volk meinen, die Staatsanwaltschaft beschädige mit falschen Anschuldigungen und verleumderischen Beweisanträgen das Ansehen des Bankiers zu beschädigen. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft stellten nicht nur eine üble Nachrede dar. Der Bank-Chef werde auch wahrheitswidrig einer Straftat bezichtigt, denn die Behauptungen der Staatsanwaltschaft würden schon durch die vorliegenden Unterlagen widerlegt. Staatsanwalt Johannes Puls wies die Anschuldigung als "Polemik" zurück.

Ende März waren in dem Verfahren Freisprüche in Sicht. Die Vorsitzende Richterin Brigitte Koppenhöfer hatte in einem Rechtsgespräch mit den Verhandlungsparteien gesagt, die Millionenzahlungen seien teilweise nach dem Aktienrecht unzulässig gewesen. Es sei aber keine strafbare Untreue erkennbar. Nun sieht es so aus, als würde es kein schnelles Prozessende geben. Die Richterin kündigte an, sie plane, die 30-tägige Sommerpause in der letzten Augustwoche beginnen zu lassen, falls der Prozess so viel Zeit in Anspruch nehme.

Seit drei Monaten müssen sich sechs führende deutsche Manager und Gewerkschafter wegen Untreue oder Beihilfe dazu vor Gericht verantworten. Angeklagt sind neben Ackermann der frühere IG-Metall-Vorsitzende Klaus Zwickel sowie Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser. Insgesamt geht es um Prämien in Höhe von rund 60 Millionen Euro, die nach der Übernahme von Mannesmann durch den britischen Mobilfunkriesen Vodafone vor vier Jahren geflossen sind. (anw)