Kernkompetenz ausgelagert

Eigentlich sollte man ja erwarten, dass der größte Software-Konzern der Erde in der Lage ist, die eigene Infrastruktur zu betreuen. Doch nein: Microsoft hat soeben das Outsourcing seiner internen IT nach Indien angekündigt.

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Jeder Mensch, der schon einmal versucht hat, Support für einen Billig-PC zu erhalten, nur um dann ins Ausland an eine Hotline vermittelt zu werden, die einen überhaupt nicht verstehen wollte, kann sich freuen: Künftig wird es den Angestellten des Auslösers eines Großteils all dieser Schmerzen nicht anders gehen – jedenfalls vom Grundsätzlichen her.

Eigentlich hatte ich es ja für einen verspäteten Aprilscherz gehalten, doch es stimmt: Die interne IT von Microsoft wird künftig durch einen indischen Outsourcing-Anbieter betreut. Schlappe 450 Microsoft-Standorte in 104 Ländern dürfen künftig bei Infosys in Bangalore anklingeln, wenn es Probleme mit der Hardware, aber – und das finde ich besonders toll
- auch mit der firmeneigenen Software gibt.

Infosys ist sicher kein schlechtes Unternehmen – ich bin überzeugt, die Firma genügt dank ISO-Zertifizierung und zahllosen Standorten auch im Westen allen Anforderungen. Trotzdem ist es ein Treppenwitz der IT-Geschichte, dass es Microsoft offenbar nicht hinbekommt, seine eigene Unternehmensinfrastruktur effizient zu unterstützen. Oder auch: Es ist ein weiteres Zeichen dafür, wie Microsoft aktuell durch die Branche stolpert.

Noch ironischer wird es, wenn man sich die Pressemitteilung von Infosys zum Outsourcing-Vertrag etwas näher ansieht. "Infosys wird Implementationsprozesse beschleunigen, Support und Dienste vereinfachen und gleichzeitig die Unternehmenskosten senken, in dem wir die neuesten Microsoft-Lösungen wie Windows 7 nutzen." Bedeutet das etwa, dass man es bei Microsoft selbst noch nicht geschafft hat, auf das eigene neue Betriebssystem aufzurüsten?

Aber immerhin, Microsoft-Boss Steve Ballmer muss sich nicht grämen. Sein Vornamensvetter Steve Jobs scheint auch noch eine ältere Version des iPhone-Betriebssystems zu benutzen, wie aus E-Mails an Kunden hervorgeht. Aber Apple kriegt wenigstens den eigenen Support auf die Reihe. (bsc)