Festnetz-Anbieter in Österreich kämpfen um Kunden
Die österreichischen Festnetz-Anbieter versuchen mit neuen Angeboten, die teilweise gar als "gratis" tituliert werden, den Verlust von Umsätzen und Kunden an die österreichischen Mobilfunker zu bremsen.
Netzinterne Gespräche und Gespräche ins Festnetz für einen Cent wie bei tele.ring oder bis zu 2.000 Inklusivminuten wie bei T-Mobile -- der österreichische Mobilfunk-Preiskampf sucht seinesgleichen. Die Folge ist ein beschleunigter Rückgang der Festnetzanschlüsse und der Umsätze der Festnetz-Anbieter im Endkundengeschäft. Spät, aber nun doch wehren sich die Firmen mit neuen Angeboten, seit kurzem unterstützt durch eine leichte Senkung der Zusammenschaltungsgebühren (ICF) im Festnetz. Der Marktführer Telekom Austria (TA) versucht sein Glück mit höheren Grundgebühren und einer Vielzahl verschiedener Zusatzpakete, die gegen Aufpreis bis zu 500 Freiminuten pro Monat enthalten. Am heutigen Donnerstag, hat UPC Telekabel sein neues Angebot Priority Standard FreeTime vorgestellt.
Dieser Telefonanschluss ist bis Jahresende zum gleichen monatlichen Grundentgelt (15,98 Euro) wie der TikTak Privat-Tarif der TA in verkabelten Gebieten in Wien, Graz und Klagenfurt erhältlich, bisherige Rufnummern können bei einem Netzbetreiberwechsel mitgenommen werden. Im Unterschied zum Angebot der TA sind bei FreeTime bis zu 500 Minuten pro Monat Gespräche zu geografischen Festnetznummern (ausgenommen Dial-Up) in der Freizeit (immer außer an Werktagen von 18 bis 8 Uhr) ohne Aufpreis eingeschlossen. Zudem ist der CLIP-Service, also die Anzeige der Rufnummer bei eingehenden Anrufen, gratis. Bestandskunden können gegen eine Gebühr von 20 Euro umsteigen, neue Vertragsbindungsdauer gibt es nicht.
Besonders erfolgreich hat sich das seit 1998 vertriebene Kombi-Paket Take Two mit einem Festnetzanschluss von UPC und einem Handy von One entwickelt. Fast 100.000 der 154.000 Festnetzkunden (Stand 1. Quartal 2004) von UPC haben dieses Angebot angenommen. Dieses Produkt ist jetzt flexibler gestaltet. Jeder Festnetz-Tarif von UPC kann nun mit jedem (auch mehreren) der One-Tarife kombiniert werden; dabei gibt es 25 Prozent Rabatt auf alle Grundgebühren.
Seit fast einem Jahr bietet Inode entbündelten Kunden günstige Telefonanschlüsse auf VoIP-Basis (9,50 Euro pro Monat), netzinterne Gespräche sind stets gratis. Bei einer Entbündelung wird die von der Vermittlungsstelle zum Endkunden führende Telekommunikationsleitung vom Ex-Monopolisten Telekom Austria übernommen und direkt mit dem Netz eines alternativen Betreibers verbunden. Die Benutzung unterscheidet sich dabei nicht von einem herkömmlichen Festnetzanschluss, die gewohnten Telefone können weiter verwendet werden. Seit heute haben Firmenkunden die Möglichkeit, auch ihre ISDN-Anlagen über eine entbündelte xDSL-Leitung samt VoIP-Gateway zu betreiben. Die bereits seit längerem für Privat- und Firmenkunden verfügbaren Pakete zu 1.000 beziehungsweise 2.000 Minuten monatlich für Gespräche ins österreichische Festnetz können auch zu den iTalk VoIP ISDN-Tarifen hinzugebucht werden.
Sowohl auf Entbündelung als auch auf Preselection (automatische Netzbetreiber-Vorauswahl) setzt der zweitgrößte Festnetzanbieter UTA. Preselection-Kunden der UTA können in der Freizeit untereinander (zu anderen Preselection-Kunden des Anbieters sowie zu dessen entbündelten Kunden) unbeschränkt gratis telefonieren, ab Oktober fällt für diese Option 0-Cent ein Monatsentgelt von 2,90 Euro an (keine Bindefrist). In entbündelten Gebieten bietet UTA für 39,90 Euro pro Monat ein Paket aus Breitbandanschluss und Telefonanschluss, bei dem netzinterne Telefonate (zu anderen entbündelten UTA-Kunden) immer, Gespräche zu Preselection-Kunden der UTA in der Freizeit kostenlos sind.
Die kleine Firma ACN geht sogar noch einen Schritt weiter und bietet ihren Preselection-Kunden rund um die Uhr kostenfreie Gespräche untereinander (ACN Friends Call Free, keine Grundgebühr). Im Tarif ACN Premier (Grundgebühr 4 Euro pro Monat) sind hingegen am Wochenende Gespräche zu allen Festnetzanschlüssen in derselben Lokalzone gratis (auch zu Kunden der Konkurrenz).
Eine Option 0-Cent findet sich auch im Angebot von Tele2. Ein Kontingent von 500 Minuten für Gespräche zu Festnetzanschlüssen in der Freizeit ist von Preselection-Kunden zum Preis von 6,90 Euro pro Monat (Mindestbezugsdauer ein Jahr) wählbar. Während Tele2 hauptsächlich Privatkunden betreut, konzentriert sich eTel vornehmlich auf Geschäftskunden. Beide Unternehmen sind angesichts des schwierigen Festnetzgeschäfts auch dem Lockruf des Mobilfunks gefolgt und nutzen für eigene Mobilfunk-Angebote das Netz von One. (Daniel AJ Sokolov) / (jk)