Auf der Tokyo Motor Show zeigte Suzuki die Recursion – ein Motorrad mit Turbolader

Sauger, packt ein!

Man konnte darauf warten, dass ein Motorradhersteller dem Beispiel der Autoindustrie folgt und einen kleinen Motor mit Turbolader versieht, um Gewicht und Verbrauch zu senken und das Drehmoment zu steigern. Suzuki hat als erster den Mut aufgebracht

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  • Ingo Gach
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Köln, 13. Dezember 2013 – Es ist still geworden um Suzuki. Dem japanischen Motorradhersteller mangelte es in den letzten Jahren an Innovationen, das Modellprogramm hinkte der Konkurrenz in Sachen Technik hinterer. Doch es war die Ruhe vor dem Sturm. Auf der Tokyo Motor Show präsentierte Suzuki die Recursion – ein Motorrad mit Turbolader.

1985 sorgte Suzuki für einen Paukenschlag, als die GSX-R 750 das Thema Sportmotorrad auf ein völlig neues Niveau hob. Extremer Leichtbau und 100 PS aus einem 750-cm3-Vierzylinder-Motor. Die Mitbewerber beeilten sich, ebenbürtige Modelle zu erschaffen, doch über eine lange Zeitspanne waren die GSX-R das Maß aller Dinge. Jetzt scheint Suzuki mit der Recursion erneut einen völlig neuen Weg im Motorradbau einzuschlagen. Sie wollen Leichtigkeit mit Kraft verbinden und versehen deshalb einen relativ kleinen 588-cm3-Reihen-Zweizylinder mit einem Turbolader.

Alte Idee, neue Technik

Doch halt, werden da einige ältere Motorradfahrer rufen, die Idee gab es schon 1983! Suzuki brachte damals die XN 85 auf den Markt. Einen Reihen-Vierzylinder-Motor, der aus 673 cm3 mittels Turbolader 85 PS presste. Im unteren Drehzahlbereich passierte fast nichts, ab 5000/min schob der Motor mithilfe des Laders dann umso heftiger an. Der unvermittelte Leistungseinsatz nach dem „Turboloch“ fand nicht viele Freunde und so stellte Suzuki die Produktion bald wieder ein. Genauso erging es den Turbo-Bikes der Konkurrenz: Kawasaki Z 750 Turbo, Yamaha XJ 650 Turbo und Honda CX 500 Turbo und CX 650 Turbo. Die Ära der Motorräder mit Abgasturbolader schien rasch wieder vorbei zu sein. Insofern ist der Name "Recursion" gut gewählt, macht die Maschine doch gewissermaßen einen Rückbezug auf diese damals noch nicht reife Idee.

Seither hat die Technik gewaltige Fortschritte gemacht. Heute ist es im Automobilbereich fast schon der Normalfall, dass ein Neuwagen eine Turboaufladung besitzt. Motoren mit wenig Hubraum und Zylindern sind leichter und sparsamer, bieten durch die Aufladung dennoch viel Leistung. Genau dieses Downsizing will Suzuki nun auch im Motorradbau umsetzen.

Da kann jeder Saugmotor einpacken

Moderne 600er-Vierzylinder-Saugmotoren produzieren zwar knapp über 120 PS, das aber bei astronomischen Drehzahlen. Die Suzuki GSX-R 600 zum Beispiel lässt ihre 125 Pferde erst bei 13.500/min galoppieren. Doch durch die Abgasaufladung braucht es in der Recursion keinen schweren und durstigen Vierzylinder, ein kleiner Zweizylinder reicht völlig aus.

Heute gibt es kein Turboloch mehr wie in den 1980er Jahren, moderne Lader setzen früh und gleichmäßig ein, ohne plötzliche Leistungsspitzen. Suzuki verspricht für die Recursion rund 100 PS und zwar schon bei 8000/min. Der eigentlich interessante Wert ist aber das Drehmoment und hier redet der Hersteller von satten 100 Nm schon bei 4500/min. Da kann jeder Saugmotor einpacken, die GSX-R 600 bringt es bloß auf magere 70 Nm bei 11.500/min. Im Automobilbau ist es üblich, dass Turbomotoren viel Drehmoment über ein weites Drehzahlband liefern. Nicht anders dürfte die Charakteristik des Suzuki-Zweizylinders sein. In Sachen Fahrbarkeit wird die Recursion die Saugermodelle um Längen schlagen. Kräftiger Durchzug selbst aus niedrigen Drehzahlen ist für einen Motor mit Turbolader kein Problem.

Leichtgewicht

Der Prototyp, der auf der Tokyo Motor Show ausgestellt war, soll ein Trockengewicht von nur 174 kg haben. Die GSX-R 600 wiegt mit vollem Tank 187 kg und ist damit etwas schwerer. Dabei wirkt die Recursion gar nicht wie eine Studie. Sie verfügt über Scheinwerfer, Rücklicht, Rückspiegel mit integrierten Blinkern und Kennzeichenträger ebenfalls mit integrierten Blinkern – damit ist alles vorhanden, was man für eine Zulassung braucht. Es drängt sich der Verdacht auf, dass es sich um ein schon ziemlich seriennahes Fahrzeug handelt.

Neben der innovativen Technik bietet die Recursion auch etwas fürs Auge. Die Designer verpackten sie in ein knappes Kleidchen. Eine schnittige Halbschalenverkleidung, ein geschwungener Tank und ein kurzer Sitzbankhöcker, allerdings nur für Solofahrten. Die Sozia muss mangels Sitzgelegenheit und hintere Fußrasten leider zu Hause bleiben. Das wird sich vermutlich bis zur Serienreife noch ändern, genauso wie der angeschraubte Heckrahmen wohl nicht mehr aus teurer Kohlefaser bestehen wird.

Hübsch verpackt

Ein blankpolierter Motordeckel aus Aluminium bildet das optische Zentrum des Motorrads. Schwerpunktmäßig günstig sitzt der Turbolader vor dem Motorblock, gut geschützt von einem Bugspoiler. Das Hinterrad im Drei-Speichen-Design wird von einer Einarmschwinge geführt, an der auch der Kennzeichenträger befestigt ist. Im futuristisch gestalteten Cockpit liegen die meisten Infos digital vor, was zu dem fortschrittlichen Technologieträger passt. Von vorne betrachtet wirkt die Recursion sehr schmal und unterstreicht den Willen zum Leichtbau.

Ein bildschönes Motorrad, das technisch einen neuen Weg geht. Wenn die Recursion in Serie so bleibt wie das Showbike, wird sie genauso ein Meilenstein werden, wie einst die GSX-R 750.