Der freundliche Fahrautomat

Heutige Autos sind vollgestopft mit Assistenzsystemen. Allerdings hakt es nicht selten bei der Bedienung, die oft zu technisch ist. Audi hat deshalb zusammen mit dem MIT einen Fahrroboter mit menschlichen ZĂĽgen entwickelt.

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Heutige Autos sind vollgestopft mit Assistenzsystemen. Allerdings hakt es nicht selten bei der Bedienung, die oft zu technisch ist. Audi hat deshalb zusammen mit dem MIT einen Fahrroboter mit menschlichen ZĂĽgen entwickelt.

Sein Name ist "AIDA" – und er kann sogar freundlich grinsen: Der "Affective Intelligent Driving Agent", den das Massachusetts Institute of Technology im amerikanischen Cambridge in Zusammenarbeit mit dem deutschen Autohersteller Audi entwickelt hat, soll Autofahrer künftig mit menschlichen Zügen auf Gefahrensituationen aufmerksam machen und zu einem vernünftigen Mobilitätsverhalten anspornen.

Hintergrund des Fahrroboter-Projekts ist die Tatsache, dass moderne Fahrzeuge zwar inzwischen vollgestopft sind mit Assistenzsystemen, die beispielsweise beim Bremsen helfen oder ein Übertreten der zugeordneten Fahrbahn verhindern, ihren Job dabei aber für viele Menschen reichlich wenig intuitiv leisten. Hier springt AIDA ein: Das System steckt im Armaturenbrett, kann sich sogar eingeschränkt bewegen, um seine Botschaften zu verstärken und bietet ein leicht verständliches Display in Form eines Gesichtes.

Dessen zwei "Augen" blinzeln freundlich und zeigen emotional aufgeladen an, wie gut gerade gefahren wird. Gibt es Probleme, verzieht AIDA sein Gesicht – aus den zwei freundlichen Glotzerchen wird dann schnell ein Warnschild. Carlo Ratti, Leiter des zuständigen "SENSEable City Lab" am MIT, betont, dass der Fahrroboter sich jederzeit auf Informationen von außen stützen kann. "Wir nutzen alles an Daten, was in der Umgebung vorhanden ist."

AIDA ist mit nahezu allen wichtigen Sensoren, die außerhalb und innerhalb des Fahrzeuges verbaut sind, verbunden. Außerdem dient der Fahrroboter als aufgemotztes Navigationssystem und kennt die Route und das übliche Fahrverhalten seines Herren. Verbunden mit aktuellen Verkehrslagedaten ergibt sich ein gut funktionierendes Routingsystem, das auf Vorhersagealgorithmen aufbaut. So lernt AIDA nach einer guten Woche die Orte, an denen am häufigsten vom Fahrer angehalten wird, etwas später sind auch die Lieblingsbezirke gespeichert.

In Verbindung mit Häufigkeitsdaten lässt sich die Routenführung noch weiter optimieren. So führt AIDA den Fahrer an seinem Einkaufstag auf direktem Weg zum Supermarkt. Lernt das System auf dem Weg, dass der Tank demnächst leer ist, lotst es den Fahrer automatisch für einen Zwischenstopp zur nächsten Tankstelle. "Das Auto soll den Menschen verstehen", sagen die Forscher. Dazu müsse es jederzeit kontextbewusst und damit sozusagen "sozial" vorgehen. Kein Wunder, dass der Fahrroboter sich in einem Werbeclip des Projekts freundlich streicheln lässt – was man im richtigen Auto jedoch besser unterlassen sollte.

Die Idee bei alledem ist, dass AIDA zu einem stets verlässlichen Beifahrer wird, der stets einen Blick auf die aktuelle Position hat, den Fahrer aber auch nicht unnötig stört. So soll eine Art soziale Beziehung entstehen. Das "menschliche" Antlitz des Fahrroboters hilft dabei, auch komplexe Informationen leicht verständlich zu kommunizieren. Dabei setzen die MIT-Wissenschaftler auf Forschungsergebnisse, die sie bei der Arbeit an Partnerrobotern im Labor gesammelt haben. Tatsächlich gibt sich AIDA erstaunlich humanoid.

Mit seinem Ansatz erinnert das System an Öko-Assistenzsysteme, die derzeit in immer mehr Autos auftauchen. Bei diesen zeigt beispielsweise eine verwelkende Blume an, dass man nicht umweltbewusst fährt, für echt "grüne" Fahrer gibt's dagegen positives Feedback mit schönen Bildern.

AIDA ist hier jedoch deutlich interaktiver. Und das Anzeigen von Problemen oder die Navigation sind nur der Anfang. Die MIT-Forscher arbeiten in einer nächsten Stufe mit der Idee, den Fahrroboter zum Stimmungsleser zu machen. Mithilfe von Gesichtserkennungsalgorithmen soll der Fahrroboter in einigen Jahren lernen können, dass der Fahrer gerade gestresst ist – und ihm dann beispielsweise eigentlich unnütze Informationen einfach vorenthalten.

"Wir arbeiten daran, dass AIDA die Stimmung des Fahrers anhand des Gesichtsausdrucks erkennt. Dann können wir sozial passend und stets informativ reagieren", sagt Rattis Kollegin Cynthia Breazeal, die die Forschungsgruppe für persönliche Roboter am MIT Media Lab leitet. (bsc)