Die Rolle von Computern im Film: menschlich, niederträchtig, unfehlbar
Seite 4: Die Heldentaten der Hacker
Damit sind wir bei den Heldentaten der Hacker, die in ziemlich vielen Filmen ziemlich komische Sachen machen. An erster Stelle ist natürlich "The Italian Job" (deutsch-idiotisch: Charlie staubt Millionen ab) von 1969 zu nennen, in der ein Hacker namens Professor Peach den Computer hacken soll, der die Ampeln im Straßenverkehr von Turin steuert. Die Idee dahinter: Wenn der Verkehr zusammenbricht, kann eine Bande von Goldräubern mit ihrem Schatz fliehen.
(Bild:Â www.kungfury.com)
Die Ausführung dieser Idee ist noch bemerkenswerter: Weil den Filmproduzenten das Nachstellen eines Verkehrschaos in Turin aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens zu teuer war, provozierte das Filmteam selbst einen Auffahrunfall an einer Kreuzung und filmte das sich entwickelnde Geschehen einfach ab. Das Chaos kann sich durchaus mit "Fast & Furios 8" von 2017 messen lassen, in dem ein Großangriff auf intelligente Fahrerassistenzsysteme durch eine Cyber-Terroristin gezeigt wird. Der "italienische Job" wurde in Großbritannien ein Kultfilm, die wilde Verfolgungsjagd mit Minis wurde später als Computerspiel vertrieben. 2003 kam ein Remake des Films in die Kinos.
Per VHS-Kurs zum Hacker
Selbst dort, wo man sich um etwas Realismus bei der Darstellung von Rechenzentren oder Computern bemühte, finden sich viele Patzer. Hübsch ist etwa eine Szene in "Superman III" aus dem Jahre 1983, in der ein Arbeitsloser auf einem Zündholzheftchen Werbung für Abendkurse im Programmieren liest. Zwei Szenen weiter ist er bereits ein Top-Programmierer in der Firma des Superschurken Webster, der ihm dann den mächtigsten Computer der Welt spendiert, um die chemische Zusammensetzung von Kryptonit zu analysieren.
Im Film tragen die Programmierer Kopfhörer zum Schutz vor dem Höllenlärm der Drucker und Lochkartensortierer, doch die Dialoge sind klar und deutlich zu verstehen. Immerhin zeigt der Film einigermaßen realistisch einen Hack per Lichtgriffel, bei dem besagter Super-Programmierer die Cent-Beträge von Lohnabrechnungen der Kollegen auf sein eigenes Konto umleitet.
Fern der Realität
Unrealistisch geht es auch in der ersten Folge von "Mission Impossible" zu, die 1996 erschien und in der das Internet erstmals eine wichtige Rolle spielt. Tom Cruise ist der Spezialagent Ethan Hunt, der einen Verräter in den Reihen der CIA sucht. Er findet einen Hinweis auf Grabkammern und einen Waffenhändler Max, den er mit dem Begriff "Max.com" in den Newsgroups des Usenet (!) suchen will, als der Computer endlich "Internet-Zugriff" hat.
Schließlich erkennt der Superagent, dass die Grabkammern auf Kap. 3 Vers 14 des Buches Hiob verweisen und schickt eine E-Mail an die Adresse "Max@Job 3:14" – die tatsächlich ankommt. Mission Impossible war übrigens der erste Film, für den während der Produktion ein Videospiel geschrieben wurde. Es erschien bei Infogrames mit zwei Jahren Verspätung.
(Bild:Â Walt Disney Studios Home Entertainment)
Ein Computerfilm mit der Ästhetik eines Computerspiels war "Tron", der 1982 in die Kinos kam. Tron spielt größtenteils in einem Computer, in dem ein böses Master Control Program andere Programme tyrannisiert, die als Menschen dargestellt werden. Der Film stellt die Frage, ob die Realität, aus der der Held in den Computer verschwindet und in die er wieder zurückkehrt, nicht ebenfalls eine virtuelle Realität ist, eine Frage, die bereits im deutschen Fernsehfilm "Welt am Draht" von Rainer Werner Fassbinder im Jahre 1973 gestellt wurde. Das Drehbuch zu Tron schrieb Bonnie McBird, die Ehefrau des Computer-Pioniers Alan Kay. Der sehr erfolgreiche Film war einer der ersten, in denen computeranimierte Szenen zu sehen sind. Außerdem wurde ein Großteil der Filmmusik auf Synthesizern gespielt.