E-Auto auf dem Land: Warten auf den Zähler – Teil 4

Mit der Solaranlage auf dem Dach zählt nun jeder Sonnentag, deshalb wartet TR-Redakteurin Jo Schilling auf die Einrichtung ihres Zweirichtungszählers.

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E-Auto auf dem Land: Zweirichtungszähler

Der frisch installierte Zweirichtungszähler.

(Bild: Jo Schilling)

Lesezeit: 4 Min.

Wir sind fertig – mit der Photovoltaikanlage. Mit den Nerven erstaunlicherweise nicht, denn der überstürzte Bau der Anlage, die Voraussetzung für unsere Teilnahme an dem Forschungsprojekt i-Rezept war, lief erstaunlich geschmeidig. Das ist in Teilen sicher unserer Erfahrung mit häuslichen Baustellen und dem Jonglieren mit diversen Gewerken geschuldet – die Erfahrungen sammelt man automatisch, wenn man einen alten Kasten bewohnt. Aber auch wenn wir diese antrainierte Leidensfähigkeit abziehen, ist der Bau einer Photovoltaikanlage keine große Sache.

E-Auto auf dem Land

(Bild: 

Nissan

)

TR-Redakteurin Jo Schilling wohnt auf dem Land – so richtig "Land". Ein E-Auto scheint sich dort nicht so recht anzubieten, dennoch wagt sie das Experiment. Sie nimmt teil am Forschungsprojekt "i-rEzEPT". Zwei Fraunhofer-Institute, Bosch und Nissan wollen dabei untersuchen, wie gut sich ein Elektroauto als Batteriespeicher für die Solaranlage auf dem heimischen Dach eignet. Hier berichtet sie über ihre Erfahrungen – von der Installation der Anlage bis zum bidirektionalen Laden.

Nervenaufreibender als der Anlagenbau ist das Warten auf den Zähler, denn der wird uns zwar vom Netzbetreiber avisiert und man tut dort geschäftig, aber das war es auch schon. Jeder Sonnentag, der verpufft, schmerzt. Glücklicherweise haben wir davon in der Zeit nicht allzu viele. Und da das Projekt auch nicht so recht in Gang kommt, haben wir nach vier Wochen vergessen, dass wir warten.

Dann ist Montag, der 2. März und im Postfach ist eine Email von dem i-Rezept Projektbetreuer bei Nissan. Der Inhalt in Kürze: Mittwoch kommt vielleicht schon das Auto, der Überlassungsvertrag hängt an. Das kommt überraschend. Noch überraschender ist der Anruf am Abend. Ein köllscher Spediteur verkündet fröhlich: Morgen mittag bringe ich den Leaf. Und wir haben immer noch keinen Zähler. Von einer Ladestation ganz zu schweigen. Zum Glück können wir einrichten, dass jemand zu Hause ist, um den Stromer in Empfang zu nehmen – aber von seiner Ankunft werde ich am kommenden Dienstag erzählen.

Nur jetzt möchten wir dann bitte auch den Zähler haben, denn ein Elektroauto aus dem ganz normalen Öko-Strom-Vertrag zu tanken, war nicht der Sinn unserer Sache – von der Projektidee mal ganz abgesehen.

Zwei Wochen und viele Telefonate später ist es endlich soweit: An einem regnerischen Freitagmittag geben sich Elektriker und Zählermann die Tür vom Sicherungskasten in die Hand und wir bekommen unseren Zweirichtungszähler. Ab jetzt können wir endlich unseren Strom selbst nutzen. Und der Moment, in dem der Zähler aktiviert wird, ist wirklich toll: Trotz Nieselregen beginnt der Zähler zu laufen. Wir produzieren unseren eigenen Strom. Das fühlt sich gut an. Die Digital-Anzeige des Zählers schaltet alle paar Sekunden zwischen Strombezug aus dem Netz und Einspeisung um. Dem wohnt ein großer Suchtfaktor inne und ich überlege schon, einen bequemen Sessel im Keller aufzustellen, um den Stromzähler in Ruhe beobachten zu können. Dann stelle ich fest, dass die Zahlen, die die Wechselrichter-App mir liefert, mindestens genauso befriedigend sind und entscheide mich gegen den feuchten Keller.

Allerdings wird der Alltag mit einer Solaranlage etwas komplizierter und Eigenstromnutzungsoptimierung zum Familiensport: Geschirrspülmaschine und Waschmaschine stellen wir ab jetzt erst ab zehn Uhr an, damit wir unseren Strom nutzen können. Wir stellen unsere Gas-Heizung um, so dass wir nur von abends bis morgens Wasser über die Heizung erwärmen. In den Haupt-Erzeugerstunden erwärmen wir unser Wasser mit Durchlauferhitzern, die wir installiert haben, als wir noch mit einer alten Ölheizung geheizt haben. Der Gedanke unser Haus in ein Smarthome zu verwandeln und eine Software für uns denken zu lassen, steht im Raum. Und jedes Mal, wenn ich im Garten stehe und die Solaranlage auf dem Dach in der Sonne blitzt, denke ich: Das hätten wir schon viel früher machen sollen…


Wie es weitergeht, lesen Sie am nächsten Dienstag, 19.5., an dieser Stelle.

(jle)