Flach, flacher, OLED-TV
Seite 2: Flach, flacher, OLED-TV
Sonys Macher haben allerdings erkannt, dass dieser Achtungserfolg ihrer Marke nur bedingt hilft. Schließlich sind LCDs und Plasma-Fernseher im Prinzip schon ein alter Hut, der Kunden längst keine Ehrfurcht mehr einflößt. OLED-TVs hingegen genießen in der Branche den Ruf eines mächtigen Image-Aufbaupräparats.
Erst diese Woche schwärmte der Chef von Samsung Electronics Sparte für Digitale Medien, Park Jong-Woo: „Egal wieviel besser und größer Fernseher werden, die Leute wollen keine 100-Zoll-Bildschirme im Schlafzimmer haben. Daher denke ich, dass Internet-Fernseher und OLED-TVs die Produkte für kreatives Management werden.“
Gewinne spielen daher für Sony bei OLED-TVs keine Rolle. Gerade 1000 Stück will Sony monatlich in einem Gemeinschaftsunternehmen mit Toyota Industies herstellen, teilte Japans führende Wirtschaftszeitung Nikkei mit. Der Preis werde „strategisch“ festgelegt, was so viel heisst wie deftig bezuschusst. Dennoch wird das Display ein Mehrfaches vergleichbarer LCD-Modelle kosten. Sony setzt auf den Glaubenssatz der Homöopathie: Je geringer die Dosis, desto höher die Wirkung, sprich der Werbeeffekt.
Doch nicht nur die OLEDs sorgen für Furore. Toshiba und Canon stellen mal wieder ihre SED-TVs (SED steht für „surface-conduction electron-emitter display“) aus, die bisherigen Flachdisplays in der Bildqualität überlegen sind. Bei dieser Technologie sitzt hinter jedem der über eine Million Bildpunkte eine kleine Elektronenkanone, die die Pixel ähnlich wie beim herkömmlichen Röhrenfernseher zum Strahlen bringen.
Bisher gelang es den Unternehmen nicht, die Geräte zu einem wettbewerbsfähigen Preis herzustellen. Doch Ende dieses Jahres sollen sie wirklich auf den Markt kommen. Und das erst im Dezember aus Sony ausgegründete Unternehmen Field Emission Technologies stellte einen 24-Zoll-FED-TV vor (FED steht für „Field Emission Display“). FEDs sind so etwas wie der große Bruder der SEDs, nur noch komplizierter herzustellen.
Angesichts der wachsenden Konkurrenz rĂĽsten sich die Projektionsfernseher, die in der Zeit vor den Flachbildschirmen die Nische der GroĂźformat-TVs beherrschten, zum letzten Gefecht. Einstimmig sagen die Marktforscher dieser Technologie voraus, 2006 ihren Zenit ĂĽberschritten zu haben und nun von LCDs und Plasma zerrieben zu werden.
Der japanische Hersteller JVC stemmt sich daher trotzig mit der Präsentation eines Rückprojektionsfernsehers mit einer Bilddiagonale von 110 Zoll gegen den Trend. Nur nennen die Hersteller ihre Monstren nicht mehr Rückprojektionsfernseher, sondern lieber MDDP („Micro Device Display Projection“). „Wir wollen, dass die Menschen MDDPs als erste Wahl bei großformatigen Fernsehern ansehen“, sagt Shintaro Nakagaki, ein für das Geschäftsfeld zuständiger Direktor von JVC.
Er gesteht selbst ein, dass er damit vor einer groĂźen Herausforderung steht. In Japan waren RĂĽckprojektionsfernseher nie erfolgreich, in Europa kaum, galten sie doch als bildschwach und klobig. Einzig in den USA sind sie erfolgreich. Laut dem Marktforschungsunternehmen Display Search wurden 2006 87 Prozent aller Projektionsfernseher in den USA verkauft.