Flach, flacher, OLED-TV

Seite 3: Flach, flacher, OLED-TV

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Doch wegen der aggressiven Preissenkungsstrategie vom weltgrößten Plasmahersteller Matsushita und dem Vorstoß von LCDs in den Bereich von über 40-Zoll-TVs schrumpfe der Markt, sagt Nakagaki. „Wir wollen dem nicht ruhig zusehen und haben daher mit 16 anderen Unternehmen das MDDP-Konsortium gegründet.“ Samsung macht auch mit, Panasonic und Sony nicht. Gemeinsam wollen die Mitglieder den Ruf der MDDPs verbessern.

Für Technologieanalysten sieht der Fall hoffnungslos aus. „Nach dem ich die Bildqualität der neuen Gerätegeneration gesehen hatte, dachte ich eigentlich, der Absatz müsse steigen“, sagt Yoshikazu Higurashi von der Deutschen Securities. Aber nach kurzer Abwägung sagt er nun voraus, dass der Absatz von Rückprojektionsfernsehern von 2,85 Millionen Stück im Jahr 2006 auf nur noch 1,8 Millionen im Jahr 2009 absacken wird. Immer mehr Unternehmen stiegen aus und verschöben ihre Ressourcen zu Front-Projektionssystemen, die als Bildwerfer in Unternehmen und Erziehungseinrichtungen stark an Popularität gewinnen.

Die Probleme der Hersteller von Rückprojektionsfernsehern sind sind vielfältig. Das Preisargument zieht nicht mehr, wenn die Konkurrenz bei ähnlicher Größe kaum noch mehr kostet. Gleichzeitig haben sich die Händler und Hersteller gegen die Technik verbündet. Die Einzelhandelsketten wollen lieber teurere LCD- und Plasma-Geräte verkaufen. Und das Gros der Hersteller pusht lieber LCDs und Plasmas, weil sie extrem teure Werke aufgebaut haben.

Keine Marke von Weltrang habe ihre Priorität auf Rückprojektionsfernseher gesetzt, mahnt Higurashi. Gleichzeitig verfügen nur die Großen über das notwendige Stehvermögen, dem Preiskampf zu bestehen. „Daher wird es schwierig für Rückprojektionsfernseher den Markt wieder zu erobern“, sagt der Analyst.

Die Hersteller ziehen angesichts der Klimaveränderung die Umweltschutzkarte und reagieren mit einem Innovationsschub. Wenn alle Fernseher über 40 Zoll Rückprojektionsfernseher seien, würden die Kohlendioxid-Emissionen um 83 Millionen Tonnen – das entspricht dem Ausstoß von 18 Millionen Autos – sinken, rechnet Nakagaki als Vertreter des MDDP-Konsortiums vor. Schließlich seien Projektionsfernseher mit weniger Energieaufwand zu produzieren und verbrauchten weit weniger Strom als die konkurrierenden Technologien.

Gleichzeitig arbeiten sich die Hersteller an den Schwächen ihrer Produkte ab: Der Helligkeit, dem Blickwinkel und der Dicke der Fernseher. Bei Samsung Electronics sieht der Fahrplan wie folgt aus: 2006 wurde der erste Rückprojektionsfernseher eingeführt, der keine Lampe, sondern LEDs zum Durchleuchten eines Mini-Displays nimmt, um ein Bild über zwei Spiegel von hinten auf die Leinwand zu werfen. „Durch den Einsatz von LEDs entfällt der teure Lampenwechsel“, sagt Lim Jong-Tae, Chefingenieur der Visual Display Division von Samsung Electronics.

Außerdem wird der Gamut, die Fähigkeit zur Farbwiedergabe, gegenüber Projektoren mit Lampen um 25 Prozentpunkte auf 110 Prozent der Farbwiedergabe des amerikanischen NTSC-Standards für Fernsehsender erhöht. 2008 sollen erstmals Laser als Lichtquellen eingesetzt werden, wodurch sich der Gamut auf 130 Prozent des NTSC-Standards klettern und der Kontrast auf 20000:1 verdoppeln soll.

Lim verspricht zudem, die Tiefe von zum Beispiel einem einem 61-Zoll-TV von 14,3 Zoll auf 11,4 Zoll zu verringern. LCD- und Plasma-Bildschirme sind zwar weniger als halb so dick, aber mit ihrem massiven Stand würden sie sogar etwas tiefer ausfallen. Und darüber hinaus könne man Rückprojektionsfernseher an die Wand hängen, LCD- und Plasmafernseher wegen der hohen Wärmeentwicklung jedoch nicht, schwärmt Lim. Auch das Design sei viel eleganter, weil die Frontscheibe leichter sei und daher von weit dünneren Rahmen als Plasma-Bildschirme gehalten werden könne. Das Bild scheint in der Luft zu schweben.