James Bond im Kino: 60 Jahre 007, Autos und verrĂĽckte Gadgets

Seite 4: Die Achtziger: In tödlicher Mission (1981)

Inhaltsverzeichnis

Der Vater aller Gadgets: Q.

(Bild: Eon)

Nach zwei mit Technik vollgestopften Bonds gibt es erneut eine kreative Wende zu mehr Bodenständigkeit und weniger Gadgets. Der Lotus fliegt in die Luft; und so sieht man eine wilde Verfolgungsjagd statt in einem heißen Sportwagen in einer … Ente, einem Citroën 2CV. Damit das gelingt, wird das kleine Auto getunt. Es erhält einen stärkeren Motor, spezielle Stoßdämpfer und starke Stabilisatoren. Und die Aufnahmen werden schneller abgespielt, um eine höhere Geschwindigkeit vorzutäuschen.

Einen Gesuchten findet Bond stilecht mit Qs "3D-Bild-Identigraphen", der eine Beschreibung erwartet und damit gespeicherte Bild-Archive internationaler Datenbanken wie Europol abfragt: "männlich, kaukasischer Typ, Ende 30, Haare braun, mittelbraun, Mittelscheitel …" Damit entsteht ein Phantombild, das Bond live am Bildschirm korrigieren kann. Als Fund gibt es nicht nur ein Strafregister, sondern ein per Nadeldrucker ausgegebenes Foto.

Roger Moore will zwar nicht ein weiteres Mal die Rolle des Geheimagenten, lässt sich aber überreden. Die Produzenten stehen unter Druck, weil gleichzeitig ein "inoffizieller" Bond-Film droht. Dem will man keinen neuen Hauptdarsteller entgegensetzen. Auch an Gadgets gibt es keinen Mangel. Gleich am Anfang entkommt Bond mit einem Kleinflugzeug, einem Acrostar mit Strahlantrieb, das in einem Pferde-Anhänger versteckt ist.

Zum ersten Mal trägt James Bond eine Digital-Uhr – von Seiko. Sie kann einen Mini-Sender orten. Später erhält er einen Füllfederhalter mit metallzerfressender Säure und eine Miniatur-Kombi aus Wanze und Empfänger, mit der er die Pläne der Bösen belauscht.

Sag niemals nie: Bond beim Videospiel "Domination", Punktverlust wird mit Stromschlägen bestraft.

(Bild: Taliafilm)

Das ungeliebte Stiefkind: Nach zwölf Jahren Pause schlüpft Sean Connery doch noch mal in die Rolle des Geheimagenten. Weil es keine Produktion von Eon ist, gehört der Film für manche nicht zur "offiziellen" Reihe und ist nicht Teil der einschlägigen DVD- und Blu-ray-Boxen (genau wie die Parodie "Casino Royale" von 1967 mit David Niven und Peter Sellers). Freilich ist vieles verschieden. Es fehlen das berühmte 007-Logo mit der Pistole, die bekannte Eingangssequenz, bei der Bond durch einen Pistolenlauf auf den Zuschauer schießt, die Musik; und Rollen wie Q haben andere Darsteller.

Wieso es den Film überhaupt gibt, ist eine verworrene Geschichte: Kevin McClory arbeitet bereits in den fünfziger Jahren mit Ian Fleming an einem Drehbuch des Romans "Feuerball". Er wird aus dem Projekt gedrängt, erhält aber nach jahrelangen Streitereien vor Gericht nicht nur eine Entschädigung, sondern auch das Recht, das Drehbuch zu verfilmen. Somit ist "Sag niemals nie" ein Remake von "Feuerball".

Prägnantestes Gadget ist Bonds schwarzes Motorrad mit Raketenantrieb; aber es gibt auch ein Videospiel, in dem sich der Agent gegen den Bösewicht (gespielt von Klaus Maria Brandauer) misst: "Domination". Man sitzt sich gegenüber, hat seinen eigenen Bildschirm; das Gesamtbild wird stilecht als 3D-Hologramm dargestellt. Man hält zwei Joysticks, und Punktverlust wird durch immer stärkere Stromschläge bestraft.

Im Angesicht des Todes: Qs ferngesteuerte Kamera auf Rädern.

(Bild: Eon)

Auch für Roger Moore heißt es: Sag niemals nie. Und er übernimmt zum siebenten und letzten Mal die Rolle von 007. Genauso so oft wie Sean Connery, übrigens. Wir sind mitten in den achtziger Jahren. Das Titellied ist von Duran Duran, Grace Jones spielt eine Hauptrolle, und am Anfang birgt Bond einen besonderen Mikrochip. Es gibt eine Reihe von putzigen Ideen; aber nichts Verblüffendes. Ein kleines Schiff, das sich als Eisberg tarnt. Einen Wanzen-Finder. Eine Brille, die verspiegeltes Glas durchsichtig macht. Ein mechanischer Helfer, der den Durchdruck des zuletzt von Bösewicht Zorin ausgefüllten Scheck sichtbar macht. Am Schluss überrascht Q mit einer ferngesteuerten Kamera auf Rädern.

Der Hauch des Todes: Der Aston Martin V8 hat einen praktischen Laser.

(Bild: Eon)

1987 übernimmt Timothy Dalton für zwei Filme die Rolle des James Bond. Endlich gibt es wieder einen coolen Wagen, einen Aston Martin V8, der mit jeder Menge Einfällen ausgestattet ist; insbesondere Wintertauglichkeit: Raketen-Antrieb, Explosiv-Geschosse, Felgen, die Eisschollen zerschneiden können – und ausfahrbare Kufen. Putzig auch der Schlüsselring, der nicht nur die meisten Schlösser öffnet, sondern je nach gepfiffener Melodie Betäubungsgas oder eine Explosion auslöst.

Zum ersten Mal basiert der Titel eines Bond-Films nicht auf einem Werk von Fleming. Action gibt es satt; aber viele der Tricks kennt man schon. Originell ist ein als Kamera getarntes Gewehr, das dank Handflächen-Leser nur Bond selbst benutzen kann; in Qs Arsenal ist auch eine Sofortbild-Kamera, die nicht nur einen Laserstrahl aussendet, sondern auch ein Röntgenbild erzeugt.