Olympia 2024: So arbeiten die Fotoprofis von Getty Images
Seite 2: Fragen zur Arbeit eines Fotografen:
(Bild:Â Patrick Smith/Getty Images)
Was macht fĂĽr Sie ein gutes Sportfoto aus?
Ein gutes Sportfoto lässt sich nicht in einem Satz definieren. Es hat viel mit dem Moment zu tun und für mich verbindet es Kreativität mit der Fähigkeit, diese Momente einzufangen. Wir bewegen uns im Bereich der Dokumentation von sportlichen Großereignissen, da geht es oft um Sieg und Niederlage, man will Einzigartigkeit, Weltrekorde, Können und unglaubliche Leistungen festhalten. Aber es kann auch Enttäuschung sein.
Sportfotografie ist unvorhersehbar und nicht wiederholbar. Der Landschaftsfotograf hat vielleicht eine zweite Chance, der Architekturfotograf kann noch einmal rausgehen. Unsere Aufgabe ist es, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und die Technik zu beherrschen.
Gute Sportfotografie findet statt, wenn groĂźartige Sportlerinnen und Sportler in bestimmten Momenten fotografiert werden. Dazu mĂĽssen viele Elemente zusammenkommen, dann wird es ein groĂźartiges Bild.
Wieviel Kreative Freiheit bleibt dem einzelnen Sportfotografen und was fĂĽr Vorgaben gibt es vom Kunden oder der Agentur?
Im Tagesgeschäft gibt es ein Briefing, also eine Vorgabe, was zu tun ist. Das heißt, unsere Fotografen gehen zum Beispiel an einem Tag mit einer Liste von Namen der Athleten raus, die fotografiert werden sollen. Oder es müssen Bilder für bestimmte Sponsoren der Olympischen Spiele gemacht werden. Wenn unsere Kolleginnen und Kollegen diese Bilder haben, dann bleibt ihnen viel Freiraum, um ihre Kreativität auszuleben.
Es ist immer ein schmaler Grat zwischen dem, was von mir erwartet wird und wann ich mir die Freiheit nehmen kann, das zu tun, was ich möchte. Das hat auch viel mit Erfahrung zu tun. Wenn ich zum Beispiel im dritten Satz eines Tennismatches weiß, dass ich mir zehn Minuten Kreativität gönnen kann, weil ich das den Eindruck habe, dass für den Spielverlauf nichts Wichtiges passiert, dann nehme ich mir diese Zeit.
Kreativität ist das Sahnehäubchen und das unterscheidet uns von Freelancern und den Fotografen der anderen Agenturen.
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Wie gut kennt man sich als Fotograf mit den jeweiligen Sportarten aus und wie wichtig ist das fĂĽr das Endergebnis?
Alle Kolleginnen und Kollegen, die hier sind, fotografieren hauptberuflich Sport. Das heiĂźt, wenn sie nicht bei den Olympischen Spielen sind, fotografieren sie jeden Tag in verschiedenen Regionen der Welt.
Bei Sportarten wie Leichtathletik, Turnen und Schwimmen ist es so, dass sechs oder sieben Fotografen vor Ort sind und jeder einen festen Platz und eine bestimmte Aufgabe in seinem Bereich hat. Ein gewisses Know-how und Verständnis für die Abläufe helfen natürlich sehr. In all diesen Sportarten gibt es Spezialistinnen und Spezialisten, die schon viele Jahre dabei sind.
Bei einigen Sportarten rotieren die Fotografen jedoch. Das heiĂźt, ein Team fotografiert zwei oder drei Tage und dann kommt ein anderes an die Reihe. Das ist eine aktive Entscheidung von uns, die mit viel logistischem Aufwand verbunden ist.
Unser Ziel ist es, stets einen frischen Blick zu behalten. Wenn man fĂĽnf bis sechs Volleyballspiele am Tag fotografiert, dann ist die Halle ausfotografiert, wie wir es nennen. Da hilft es, wenn nach einer gewissen Zeit jemand Neues kommt, der einen anderen Ansatz hat.
Diese Leute arbeiten zwar auch nach dem Briefing, gehen aber vielleicht am zwölften Tag noch einmal durch die Halle und finden eine neue Perspektive.
Wie viel Bewegungsfreiheit hat der Fotograf während eines Events oder gibt es vorab festgelegte Punkte, an denen man sich aufhalten darf?
Auf der berĂĽhmten Akkreditierung gibt es einen Buchstaben und eine Farbe und das unterscheidet die Bereiche, die man betreten darf und die Bereiche, die man nicht betreten darf.
Bei den Fotografen ist es relativ einfach, da gibt es die Editorial Fotografen (EP), die Fototechniker, die die ganze Veranstaltung technisch begleiten, und dann gibt es noch die B-Fotografen. Das sind die Kolleginnen und Kollegen, die ihr Briefing von den Sponsoren erhalten. All diese Personen haben unterschiedliche Akkreditierungen.
Bei den Olympischen Spielen gibt es eine Gruppe namens IOPP (International Olympic Photo Pool). Das sind die großen Agenturen, da gehören wir auch dazu. Die Fotografinnen und Fotografen des IOPP haben eine Priorität, wenn es um den Zugang oder die Fotopositionen geht.
Wir tragen zum einen unsere Akkreditierung wie alle anderen Fotografen und zum anderen eine Fotoweste, die es in verschiedenen Farben gibt. Damit ist fĂĽr die Helfer und Organisatoren klar, wer wo hindarf. Bei ĂĽber tausend Fotografen, braucht man sehr gute Systeme, damit alle schnell erkennen und verstehen, was der Einzelne darf und was nicht.