Soft Skills im Fokus der 18. OOP in MĂĽnchen
Seite 2: Programm-Highlights I
Aus der Welt der Patterns
(Bild:Â Sigs-Datacom)
Der bekannten Software-Pattern-Buchautorin Linda Rising von der Arizona State University war es vergönnt, die Eröffnungs-Keynote zu halten. Sie kritisierte ausgehend von soziologischen Forschungen, dass Menschen allzu gerne einander mit Labeln versehen. Studien hätten beispielsweise herausgefunden, dass viele Manager bereits nach zwei Wochen ihre Mitarbeiter als Gewinner- oder Verlierertypen einschätzten. Das unterstütze natürlich die Diskrepanz zwischen Geschäfts- und Entwicklerseite im Umgang miteinander. Ziel müsse es sein, ein Umfeld zu schaffen, das von Respekt und Vertrauen geprägt sei. Dafür helfe es, innerhalb eines Teams gemeinsame Ziele zu definieren und über alle Phasen eines Projekts ein enges Feld auf Basis von Kooperation und Zusammenarbeit abzustecken.
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Jörg Dirbach von Zühlke kam zu einem vergleichbaren Ergebnis, beleuchtete Softwareentwicklung aber aus der kognitiven Perspektive. Zentrale Fragen seines Vortrages waren unter anderem: Wie lösen Softwareentwickler Probleme kognitiv? Welches sind die Faktoren für Produktivität? Dirbach, der ein Blog unter dem Titel "Wissensarbeiters Weblog" führt, sieht in der Wissenslücke bei Menschen eine wichtige Komponente. Ohne sie hätten Menschen nicht die Motivation, sich weiterzuentwickeln. Um zu lernen, sei Dirbach zufolge in Projekten ein fortwährendes Feedback von Nöten plus die Möglichkeit, darüber zu reflektieren. In einem anderen Vortrag der OOP wurde in diesem Kontext aus einer Gartner-Studie zitiert, die in der Motivation den Faktor 30 zum Gelingen eines Softwareprojektes sieht.
So zufriedenstellend die Keynotes des ersten Tages ausfielen, so enttäuschend waren die des zweiten. Kevin Parkers, Technology Evangelist bei Platin-Sponsor Serena, "How to be an IT Superhero"-Vortrag war mehr oder weniger verstecktes Marketing für Serenas gegenwärtige Strategie, unter Zurhilfenahme von Buzzwords wie Mashups und Cloud – Themen, derer sich Marketing-Abteilungen zurzeit allzu gerne bedienen.
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Auch Tom DeMarcos Keynote bestand größtenteils aus Werbung, und zwar für sein aktuelles Buch "Adrenalin-Junkies und Formular-Zombies". Gut, DeMarco ist jemand, den die Leute sehen wollen und dessen Thema Patterns zugegebenermaßen gut verpackt die Teilnehmer interessierte, zumal sein Vortragsstil angenehm ist. (Dass zumindest die Werbung aufgegangen war, zeigte sich daran, dass er Käufern seines Buches über eine Stunde lang die Exemplare signierte.)
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DeMarco, der als Erfinder der strukturierten Analyse zur Erstellung einer formalen Systembeschreibung im Rahmen der Softwareentwicklung gilt, sieht neben der Verbesserung von Methoden und Prozessen auch Agilität, Geschwindigkeit und Unternehmenskultur als wichtige Erfolgsfaktoren in Projekten. Agilität und Geschwindigkeit zusammengenommen bedeuten für viele Effizienz. Hier liegt laut DeMarco ein großes Missverständnis vor, auf dem Unternehmen ihre Entscheidungen treffen. Meistens lasten sie ihre Angestellten voll aus, sodass sie zwar jede Minute effektiv nutzen. Das resultiere jedoch in einer hohen Auslastung, und damit einher gehe eine verlangsamte Abwicklung der Aufgaben. Schließlich sei die Arbeitsmenge beim Einzelnen deutlich erhöht, und ein Wechsel zwischen den Aufgaben führe zur Vernachlässigung anderer Aufgaben. Am Schluss sei der Kunde der Leidtragende, der das Ergebnis verspätet erhalte.