"Starfield" im Test: Entschleunigte Abenteuer im Sternenfeld

Seite 3: Weltraum-Trucker, Kopfgeldjäger, Entdecker

Inhaltsverzeichnis

Dem Außenpostenbau und anderen fortgeschrittenen Fähigkeiten wie Kochen, dem Modifizieren von Waffen und Raumanzügen und der Herstellung von medizinischen Hilfsgegenständen liegt ein detailliertes Crafting-System zugrunde. Hier muss man zuerst die nötigen Technologien erforschen, wozu man viele Rohmaterialien benötigt, die man in der Spielewelt kaufen oder mühsam einsammeln muss. Dann schaltet man wiederum Rezepte frei, mit denen man sich Waffen- und Raumanzug-Mods und diverse Hilfsgegenstände bauen kann. Das ist allerdings komplett optional. Wir sind sehr weit in der Hauptgeschichte des Spiels gekommen, ohne uns jemals eingehend mit dem Crafting beschäftigt zu haben.

Abseits der Haupt- und Nebenmissionen kann man kann in "Starfield" als Entdecker sein Geld verdienen, indem man Sternensysteme scannt, oder man kann als Kopfgeldjäger Kriminelle jagen. Man kann sein Geld als Schmuggler machen – wenn man das besser anstellt als wir und einen entsprechenden abgeschirmten Frachtraum installiert – oder als Space-Trucker Rohmaterialien durch die Gegend kutschieren. Man kann sich einen Außenposten bauen und sich dort mit dem Tagebau auf Planeten und Monden beschäftigen. Oder man kann Passagiere von A nach B fliegen. Der Fantasie sind in diesem Spiel fast keine Grenzen gesetzt. Leider ist das alles durch die bereits erwähnten Ladebildschirme nicht so immersiv wie in reinrassigen Weltraumsimulationen. Aber dafür sind immerhin die Schiffe von innen sehr schön anzusehen und tragen einiges dazu bei, dass die Welt von "Starfield" sich so echt anfühlt, wie das ohne übergangslose Planetenlandungen möglich ist.

Das industrielle Design im Spiel ist definitiv von Film-Klassikern wie "Alien" inspiriert.

(Bild: heise online, Fabian Scherschel)

Es bieten sich so viele Möglichkeiten, dass wir uns während unseres Tests auch einfach mal mehrere Stunden im Entdecken von interessanten Planeten oder beim Gespräch mit NPCs in einer der Großstädte des Spiels verloren haben. "Starfield" lädt gerade dazu ein, einfach mal entschleunigt Zeit mit der Welt des Spiels zu verbringen.

"Starfield" ist bei Weitem nicht so revolutionär, wie die Werbung es vielleicht vermuten lassen würde. Aber es ist das beste RPG aus dem Hause Bethesda seit "Skyrim". Vielleicht sogar das beste RPG von Bethesda überhaupt. Der geübte Spieler sieht, aus welchen Teilen es zusammengesetzt ist, was allerdings der ganz eigenen Magie dieses Spiels keinen Abbruch tut. "Starfield" ist voller großartiger Charaktere, spannender Missionen und atemberaubender Sehenswürdigkeiten, sowohl auf der Oberfläche von Planeten als auch im All. Die Geschichte des Spiels erinnert stark an Bücher von Arthur C. Clarke und Alastair Reynolds. "Starfield" transportiert dabei die nötige Gravitas, um das nicht lächerlich wirken zu lassen. Bethesda trifft mit dem Spiel genau den richtigen Ton: eine Mischung aus Hoffnung, Neugier auf das Unbekannte und aus Angst vor den dunklen Seiten des Alls – und der Menschheit. "Starfield" ist weit mehr als die Summe seiner Teile, auch wenn man schon einiges an Zeit in das Spiel investieren muss, um das voll zu schätzen zu wissen.

Besonders erfreut hat uns auch, wie stabil das Spiel schon während der Rezensions-Phase für die Presse lief und mit wie viel Liebe zum Detail es gestaltet wurde. So ein reines Single-Player-Spiel ohne Service-Charakter, ohne Item Shop und ohne unsinnige Multiplayer-Funktionen und hässliche Vanity Skins ist schon wirklich was Schönes. "Starfield" mag nicht günstig sein, aber unserer Meinung nach ist es seinen Preis wert. Nach 75 Stunden fühlt sich "Starfield" schon jetzt wie ein gemütliches Zuhause an – mit Kamin, einem kuscheligen Schafsfell und warmer Schokolade – in das wir noch für lange Zeit zurückkehren wollen. Schließlich haben wir bisher nur einen Bruchteil der Monde und Planeten erkundet. Das Sternenfeld ruft!

"Starfield" erscheint am 6. September für PC und Xbox Series X/S. USK: ab 16 Jahren. Das Spiel kostet zwischen 70 und 80 Euro, Abonnenten des Microsoft Game Pass können es ohne Aufpreis spielen. Käufer der teureren Sammlereditionen können bereits am dem 1. September spielen.

(fab)