ADAC fordert schnelle Einführung von Motorrad-ABS
Nur so viel konnte ein Sprecher sagen: Mit der fortschreitenden Miniaturisierung, die in der Regel auch mit einer Weiterentwicklung der Großserienfähigkeit verbunden ist, sinken die Preise. Und natürlich würden auch höhere Stückzahlen die Preise drücken. Das Potenzial dafür ist zumindest riesig: Laut Bosch hatten 2010 nur 16 Prozent aller neu hergestellten Motorräder in der EU ABS an Bord.
Der ADAC – man überliest es leicht – spricht allerdings nur von "Einbaukosten", was also keinen Verkaufspreis wiedergibt. Heute zahlt man für einen ABS etwa zwischen 500 und 1000 Euro, derartige Summen sind gerade bei Einsteigermotorrädern nicht vermittelbar. Wir könnten uns vorstellen, dass ein Mehrpreis von 200 Euro noch angenommen wird, darüber hinaus würde der Motorradmarkt vermutlich noch mehr Schaden nehmen, als es ohnehin schon der Fall ist.
Die Vielfalt wächst
Bosch bietet seine aktuelle ABS-Generation in drei Versionen an: Die kompakte Basisvariante ABS 9 base soll bereits den vollen Blockierschutz blockieren. Die Variante ABS 9 plus ist besonders für leistungsstarke Maschinen geeignet. Indem das System bereits beim Druckaufbau während einer Notbremsung wirksam wird, kann es mithilfe eines zusätzlichen Drucksensors speziell das Abheben des Hinterrads und damit den drohenden Überschlag nach vorne verhindern. ABS 9 enhanced bietet schließlich eine "eCBS"-Funktion – das Kürzel steht für "electronic Combined Brake System". Es genügt bei dieser integrierten Version, wenn der Fahrer nur eine der beiden Bremsen – wahlweise vorne oder hinten – betätigt.
Die Generation 9 des Bosch-ABS wiegt ab 700 Gramm und beansprucht ein Volumen von 0,4 Liter. Das ist nicht klein genug, um mal eben nachgerüstet zu werden, lässt sich aber leicht unterbringen, wenn es bei der Konstruktion des Motorrads von vornherein vorgesehen wird, auch bei Leichtkrafträdern. Gerade bei ihnen handelt es sich aber um ein sehr preissensitives Segment. Die wenigen 16-Jährigen, die sich noch dafür entscheiden, eine 125er zu fahren, würden es noch weniger tun, wenn die Fahrzeugpreise mit einem Schlag um mehrere hundert Euro steigen. Daraus spricht keine Ablehnung des ABS, sondern die Hoffnung, dass es durch Weiterentwicklung, Miniaturisierung und Großserienproduktion tatsächlich bezahlbar wird. (ggo)